Verkostungen

Sommersonnwende auf Manincor.

Das Weingut Manincor in Kaltern feieret dieses Jahr den 20igsten Geburtstag. Dass man bei der Einladung der Gäste für dieses Fest auch an mich gedacht hatte, kam überraschend,  ich habe mich darüber gefreut.

Für dieses Fest, das im Hochsommer organisiert wurde nahm ich mir auch gerne einen Nachmittag  Zeit, verbindet mich doch mit diesem Weingut, aber auch mit dessen Direktor Hr. Helmut Zozin eine lange persönliche Bekanntschaft, die von Wertschätzung geprägt ist.

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Geladen wurde auf Castel Campan, einem wunderbaren historischen Ansitz oberhalb von Kaltern, den ich nur vom Namen her kannte, gibt doch dieses Schloss dem Paradewein dieses Betriebes seinen Namen.

Viele illustre und bekannte Persönlichkeiten der Weinwelt  trafen sich dort zu einer einzigartigen Probe. Natürlich war der Start so wie gerne bei solchen treffen sehr formal und an  den Gesprächen der Teilnehmer merkte man dies, mit meist oberflächlichen Themen.

Als Graf Michael von Enzenberg und seine Frau Sophie dann alle Teilnehmer begrüßt hatten und die Probe eröffneten, kam  Gott sei dank etwas „Sauerstoff“ und etwas Lockerheit in den historischen Keller.

Die Probe führte uns dann im wahrsten Sinne des Wortes in eine Reise der letzten 20 Jahre.  Das Wachsen und das Reifen  einer außergewöhnlichen Arbeit  auf Manincor wurde zutiefst verständlich. Zudem war diese Probe eine  wunderbare Demonstration  der sich stark verändernden Weinkultur im Südtiroler Unterland.

20 Weine wurden uns gezeigt. Es gab 5 „Minivertikale“ mit je  4 Proben.  Ich verkoste wirklich jedes Jahr einiges an Weinen aus ganz Europa, trotzdem saß ich mit einer  Erwartungshaltung am  Probetisch, die von Spannung und Vorfreude geprägt war. Hunderte von Zalto – Denkart Gläsern, ein Probetisch aus massiven Fassdauben gefertigt und ein Gastgeberehepaar in Hochform gaben dieser Verkostung einen einzigartigen Rahmen.

 

Diese nun startende Zeitreise moderierte der Besitzer gemeinsam mit dem Direktor Hr. Zozin, alle Informationen die man uns gab, waren hilfreich und spannend. Es war nie langweilig, fehlte doch in den Ausführungen des Grafen nicht selten ein auflockernder Kommentar seiner Frau Sophie, die es perfekt versteht mit Charme und Charisma Ihren Mann zu unterstützen.

Ich werde nun nicht auf alle 20 Weine einzeln eingehen. Trotzdem möchte ich Ihnen, lieber Leser dieser Zeilen einiges was mich wirklich überrascht hat berichten.

 

Dies fing schon bei der ersten Vertikale vom Cuvée Sophie an. Man reichte uns die Jahrgänge 2012, 2010, 2001 und 1999. Alle Weine noch frisch und spannend. Der Wein der mich aber am meisten überraschte, war jener aus dem Jahre 2012. Ein Weißwein, der wunderbar aufzeigt, was in perfekten Jahrgängen  mit Chardonnay in Südtirol möglich ist. Schon die Nase reizte den Gaumen zur Bildung von Speichel und die Vorfreude auf den ersten Schluck wurde schon beim Duft, der wenig in die Exotik aber dafür mehr in die kräutrig- salzige Richtung ging, stark geweckt. Im Gaumen druckvoll, in keiner Weise  breit, mit einem Abgang der Mineralitäimg_2759_webt und angenehme Frische  hinterließ.

Als zweiter Weisswein wurden uns 4 Jahrgänge von Liebeneich gereicht. Ein Sauvignon, der auf  Rebstöcken die sich in und um Terlan befinden geerntet wird. Man schenkte eine Probe der Jahrgänge 2010, 2004, 2001, und 2000.

Wieder überraschte die Frische aller 4 Weine. Sogar der Liebeneich aus  dem Jahrgang 2000, wir erinnern uns an einen sehr heißen und trockenen Sommer, zeigte noch Frische, Exotik und Spannung. Natürlich spürte man auch den Alkohol, der im Gaumen etwas die Saftigkeit überdeckte und die Trinkfreude leicht abstumpfen lies.

Alle 4 Sauvignons aber zeigten Kraft und viel Druck, der 2010 war noch jugendlich und er versuchte noch alle Komponenten die wir so gerne in Harmonie genießen, zu vereinen. Vielleicht noch etwas ungestüm,  etwas ruppig die Note am Gaumen, in keinem Fall ein schreiender Sauvignon, aber wie die Probe zeigt, mit den Jahren der Flaschenreife ein in Südtirol in dieser Stilistik nicht zu findender Wein.

 

Nun kamen wir zum ersten Rotwein. Mason die Mason von der Ernte 2013, 2012, 2005, und 2002. Wir alle wissen, welch schwieriges Unterfangen es ist, Blauburgunder auf  hohem Niveau in die Flasche zu bringen. Um es vorweg zu nehmen, Mason die Mason 2012, aber auch 2013, zeigen  mit Finesse und Feinheit, was diese Rebe auch in Südtirol imstande ist, zu geben.

Steht dahinter eine Persönlichkeit, die getrieben wird von präzisem Arbeiten und geleitet vom Gefühl die Harmonie vom Boden bis zur Füllung in die Flasche mit Tiefgründigkeit und oft unter größtem Risiko zu begleiten, dann können wir Weinfreude in seltenen Jahrgängen uns über rote  Burgunder  freuen, die das Potential das in Südtirol nur in ganz wenigen kleinen Lagen schlummert, wunderbar zeigen.

Dieser Flight zeigte auch welche Entwicklung dieses Weingut die letzten 20 Jahre genommen hat. Der Eindruck, dass auch die Hinwendung der Besitzerfamilie zur ökologischen   Landwirtschaft in diesen Weinen Schritt für Schritt, so wie die Reben das Ende der Steuerung von chemischen Substanzen nicht mehr erdulden mussten  und die Vereinnahmung der  konventionellen Bewirtschaftung ein Ende nahm,  sich auch die Resultate, die auf die Flasche kamen, stark veränderten.  Nicht dass die gereiften  Blauburgunder  weniger Freude bereiteten, aber ich hatte einfach den Eindruck, mit den Jahrgängen 2012 und 2013, mehr Leben im Glas zu verspüren.

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Die Zeit war fortgeschritten, ein Restaurant in Kaltern sollte pünktlich besucht werden.

Nun kamen 4 Jahrgänge vom Cassiano. 2011, 2009, 2004 und 1997.

Dieser Wein, der das Ergebnis eines Zusammengebens verschiedner Reben die Ihren Ursprung  nicht in Südtirol  haben ist, zeigte sich sehr freudig und munter.

Man merkte aber, dass diese Reben Ihre Heimat in Kaltern erst noch finden müssen. Die Gewöhnungsphase ist sicherlich vorüber, trotzdem kam in mir der Gedanke auf, dass in diesen Proben noch die Lockerheit, das Lachen und das Glücksgefühl nicht zu finden waren.  2004er, ein kühles Jahr, trank ich mit Freude und ich hätte mir gerne noch einen Schluck nachschenken lassen.

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Alle warteten mit Spannung auf den Paradewein, den Castel Campan. Meistens besteht diese Cuvèe aus ungef.  90 % Merlot und 10 % Cabernet Franc.

Man reichte uns den Jahrgang 2011,2009,2003 und 1999.

Erst kürzlich hatte ich noch bei mir mit Gästen einen 2009er aus der Magnum richtig gut verkostet. Von allen 20 Weinen, dieser Probe war wohl der 2009er Castel Campan der Wein des Abends. Er zeigte was in Südtirol wirklich möglich ist. Wenn auch der 2011er etwas fülliger und sich mit mehr Tiefe und Druck im Gaumen zeigte, der 2009er war in seiner Komplexität und in seiner einzigartigen Eleganz, die geprägt war von einer dunklen intensiven Frucht, die weit in die Tiefe des Gaumens ihre Spuren hinterließ,  nicht zu übertreffen. Ein einzigartiges Weinerlebnis.

Ich bin dankbar, dass man mich zu dieser Probe geladen hatte. Für mich eine tolle Erfahrung mit Weinen aus meiner Heimat, die in der Hektik vieler großer internationaler Proben die einem beruflich wie auch aus persönlicher Leidenschaft das ganze Jahr über begleiten, oft etwas zu wenig Zeit gewidmet bekommen. Südtirol ist spannend, die Kurve einiger weniger von Qualität besessener Winzer steigt stark nach oben. Ich bin schon gespannt, was wir die nächsten Jahre noch zur Probe bekommen werden.

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Verkostungen, Weinreisen

Domaine Jacques Carillon Puligny – Montrachet

Jacques Carillon ist ein vielbeschäftigter Mann. Es war  gar nicht einfach einen Besuchstermin  zu bekommen. Dank unserer Hartnäckigkeit, klappte es dann doch.

Pünktlichst waren wir dann an einem herrlichen Herbsttag vor dem Kellertor der Domain, die im Herzen des wunderschönen Weindorfs Puligny liegt. Jacques begrüße uns herzlich und nahm sich auch genügend Zeit das Weingut aber vor allem seine Weine vorzustellen.

Dieses historische Gut, seine erste Erwähnung geht auf das Jahr 1520 zurück, bewirtschaftet 5,5 ha in besten Lagen, die sich zu einem Großteil in der Gemeinde Puligny – Montrachet befinden. Nur ein kleiner Teil liegt in Chassagne, wenige Zeilen werden in Saint Aubin und in Mercurey bearbeitet.

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Hr. Carillon gründete seine kleine Domaine, die jährlich um die 20.000 Flaschen füllt,  erst im Jahre 2010. Die damals von seinem Vater Louis Carillon  zu Weltrum gebrachte Domain wurde nach dessen Ableben unter den Brüdern Jacques und Francois aufgeteilt.

Jacques ordnet sein Arbeiten der biologischen Landwirtschaft ohne Zertifizierung unter.  Er verzichtet auf jegliche Art von Herbiziden. Die Moste  werden spontan vergoren, auf technische Eingriffe wie Säurekorrektur und vieles mehr was die moderne Kellertechnik anbieten würde, wird bewusst verzichtet. Dass alle Trauben von Hand gelesen werden, gilt als selbstverständlich.

 

Ziel ist es, die Böden seiner Weinlagen, die reich an Verwitterungsschutt und Kalkstein sind, fast wie den Abdruck eines Stempels   auf die Flasche zu bringen. Darum legt der Winzer größten Wert auf vitale Reben, ein genaues Beobachten der Weinberge vom Rebschnitt bis zum Lesezeitpunkt, den er penibel genau wählt, sowie eine akribische Traubenselektion.

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Die Weine der Domaine Jacques Carillon strotzen vor Saftigkeit und Typizität. Tänzelnd beginnt der Spaziergang seiner Gewächse über die Zunge, nachdem schon der erste Kontakt des Weines mit der Nase für zarten Speichelfluß sorgt. Alle Weine haben eines gemeinsam; einen tiefen, nie oppulenten, sehr angenehmen und von feinster Mineralik geprägten Abgang. Bei keinem der Weine zeigte sich zu viel Speck auf den Hüften. War sein einfachster Wein, ein Puligny – Montrachet der graziöse Ballettänzer, dann zeigte sich sein 1er Cru Les Perrières

als die Gande Dame mit viel Charme aber trotzdem sportlich und ausdauernd. Der andere 1er Cru Les Champs Canet strahlte durch Kraft und innere Ruhe. Fast wie auf Schienen läuft dieser Wein über die Zunge. Zart am Anfang, eine  von Saftigkeit und Fülle geprägte Mitte sowie komplex und vibrierend im Abgang, aber trotzdem und vielschichtig und fordernd

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Die Weine dieses schweigsamen aber sehr höflichen Winzers sind nicht für morgen oder übermorgen gemacht. Dies sind Gewächse, die uns wohl für Jahrzehnte mit immer neuen und anderen Gesichtern und Eigenschaften überraschen werden. Eben Weine mit Stil und Charakter.

 

 

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Etna und Meer

Es ist nun ungefähr 12 Jahre her, seit ich zum ersten Mal die Weinberge rund um den Vulkan Ätna in Sizilien bereist habe. Damals waren die Winzer noch wenige, es gab noch keine zugewanderten Investoren, die heute verzweifelt versuchen den fahrenden Zug nicht zu versäumen um schnell mit ihm in eine Richtung des schnell verdienten Geldes mitfahren zu können.

Ich war erstaunt, was sich auf dieser Insel inzwischen alles bewegt hat.

Gleich geblieben ist die Gastfreundschaft der Sizilianer, die einem manchmal die Schamesröte ins Gesicht treiben mag, gleich geblieben ist auch diese einzigartige Landschaft. Was aber auffällt, sind nun gar einige tiefe Schrammen, die dieser wunderbaren Gegend nicht von der angestammten einheimischen Bevölkerung zufügt wurden, sondern wie so oft auf der Welt gerade von jenen Unternehmern, ich vermeide bewusst den Begriff Winzer, die dort den Gestank des schnellen Geldes gerochen haben.20160126_172809

Vier Tage bedeuteten viele tolle Proben und viele herrliche Essen in Restaurants oder auch in den von mir so geschätzten einfachen „Trattorias“.

Damals, bei meinem ersten Besuch dieser Insel, blieb mir ein Winzer besonders positiv in Erinnerung. Es war Ciro Biondi im kleinen Städtchen Trecastagne unterhalb des Ätnas auf ca. 480 m. ü. d. M.

Bei dieser Reise im letzten Jänner überragte ein und dieselbe Persönlichkeit wieder alle anderen.

Ciro Biondi war mit Sicherheit einer der ersten, der diese Gegend unterhalb dieses mächtigen, immer rauchenden Vulkans, in all seiner Tiefgründigkeit zu verstehen versucht. Was dabei heraus kam, zeigt er mit jenen Weinen, die er uns zur Verkostung reichte.

Er ist nicht ein Mann der vielen Worte. Bescheidenheit und Höflichkeit prägen sein Verhalten.

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Seine Weinberge (ca. 7 ha) liegen oberhalb des Dorfes Trecastagne und reichen bis in eine Höhe von fast 900 m.ü.d.M. Die Reben, die ein durchschnittliches Alter von ca. 40 Jahren haben, liegen alle am Fuße von stillen Kraterlöchern oder auf terrassierten Lavahängen. Am Bergfuß ist der Boden etwas tiefgründiger, vom Wind angewehter Sand und Erde haben eine dünne Humusschicht gebildet. Auf den gemauerten Terrassen an den Kraterhängen überwiegt schwarzes Vulkangestein. Auf eine Bewässerung wird bewusst verzichtet.

Die Weißweine des Jahrgangs 2014, die am Ätna als hervorragend gelten sowie die Rotweine des Jahrgangs 2013 verkosteten wir in einer Hütte mitten in den Weinbergen.

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Etna Bianco Outis 2015 Fassprobe:

Noblesse in der Nase, frischer nach Bergkräutern duftender Humus, gefolgt von einer leichten Exotik, im Gaumen sehr lebendig, fast zitternd zeigte sich dieser noch trübe Weißwein in seinem Säuglinsstadium. Beeindruckend!

Etna Bianco „Chianta“ 2014

Eine dunkle, verhaltene immer nach diesen Kräutern riechende Nase ließ einen tollen Wein erwarten. Biondi macht keine Weine, die dem Weinfreund in den Schoß springen. Seine Weine sind von tiefster innerer Kraft und von tiefdunklen Böden geprägt.

Im Gaumen tief, druckvoll und sehr salzig, ja fast krokant tänzelte dieser Weißwein über die Zunge bis in den tiefsten Punkt des Gaumens, wo noch etwas fühlbar war und machte noch lange Zeit nach dem Schlucken viel Freude auf mehr.

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Etna Rosso „Outis“ 2014

Bis zur Probe dieses Rotweines wusste ich nicht, dass Nerello, auf Vulkangestein gewachsen, eine so einzigartige Eleganz und Finesse entwickeln kann wie es diese und die folgenden Proben dieses Winzers zeigten.

Outis ist ja der kleinere der drei Rotweine dieses Winzers. Was mag da wohl noch kommen? Leichtfüßigkeit, nicht zu hoch im Alkohol und dieses von dunklen Früchten und von reifen Tanninen geprägte Mundgefühl war einzigartig.

Weingenuss pur!

Wir fuhren ins Dorf, um im historischen Keller der Familie noch einige Fassproben zu verkosten.

Der Winzer zog eine Probe aus einem Holzfass, an das ein Schildchen „Contrada Monte San Nicoló 2014“ geklebt war.

Welch ein Rotwein: Tiefdunkle, kleine, an Waldboden erinnernde Früchte ließen schon beim Riechen im Glas den Speichelfluss im Gaumen entstehen. Lauwarme, frisch gepflügte Erde verlangte Respekt.

Die Nase ruft sofort den Gaumen zur Probe. Dies ist mir nur ganz selten, meistens bei großen Nebbiolos oder bei tollen roten Burgundern passiert.

Ein Wein der einfach Hochgenuss trotz seiner Jugend bot. In keinem Moment zeigt sich dieser Etna Rosso mit Lage zu breit oder zu plump. Harmonie, verbunden mit Eleganz und Kraft lassen bei diesem Wein noch viele schöne Momente erwarten. 1200 Flaschen werden von diesem Wein gefüllt werden.

Etna Rosso „Vigneto Cisterna Fuori“ 2014

Zwei kleine Fässer sind von diesem Lagenwein aus dem Jahrgang 2014 im Keller. Der Winzer zog die Probe, schon in der Pipette zeigte sich diese rötliche, aber nicht dunkle und trotzdem schimmernde Farbe: Druckvolle Nase, etwas nach frischem Leder, Kaffee, dunkle Bitterschokolade, im Gaumen vielleicht noch mehr Druck als der vorherige Wein, vielleicht etwas mehr Muskeln, die in keiner Weise Speck angelegt haben, weniger tänzelnd und trotzdem sehr vibrierend, vielleicht noch einige Ecken und kleine Kanten. Ein Wein mit einer ganz großen Zukunft!

Mein Kompliment geht an einen von Qualität und Heimatbezogenheit besessenen Winzer!

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Wir erwarten beim Genuss jeder einzelnen Flasche dieses Winzers noch viele schöne Weinmomente. Allzuviele sind es nicht, Ciro Biondi füllt um die 20-25.000 Flaschen je Lese.

 

 

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Miani

Enzo Pontoni, der Besitzer vom Weingut Miani in Buttrio, ganz in der Nähe von Udine, macht den Eindruck eines wirklich urigen, von harter Arbeit geprägten Mannes. Seine Haut ist von Sonne und Wind dunkel gegerbt, seine Hände zeigen was harte Winzerarbeit wirklich ist. Sie gleichen einer alten, von Wind und Wetter zerfressenen Rebe.

Wir kamen an, seine Mutter Edda Miani (80 Jahr alt) begrüßte uns herzlich, ein kurzes Gespräch ließ die Zeit bis zum Eintreffen des Winzers wie im Fluge vergehen. Enzo fuhr nun mit seinem Fiat Punto vor, ein Auto, genauso wie der Winzer: Von den vielen Querfeldeinfahrten in den Weinbergen gezeichnet, von den Sitzen ist nicht mehr viel geblieben, ein paar Drähte schauen von der arg zugerichteten Polsterung hervor, der Auspuff streift über Stock und Stein, aber es fährt.

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Dieser erste Eindruck zeigt, wie in diesem Weingut, das ich bereits vor 30 Jahren, damals mit meiner Frau besuchte, die Uhren ticken. Alles wird der Arbeit im Weinberg, ob am Boden oder an den Reben, untergeordnet.

Spartanisch und funktionell ist der Keller. Trotz der 22 ha Weinberge, die Enzo bewirtschaftet, ist alles sehr klein und überschaubar. Seine Lagen befinden sich ausschließlich im Gebiet der „Colli Orientali del Friuli“, die Böden sind alle stark von Ton und Mergel geprägt. Dies hat zur Folge, dass vor allem die jungen Anlagen jährlich mit Rindermist und Humus gedüngt werden müssen, um dem geologisch sehr jungen Gebiet (80.000 Jahre alt) jene Ausgewogenheit zu geben, die die Rebe für hervorragende Qualitäten braucht.

Er legt großen Wert auf geringe, aber trotzdem ausgewogene Erträge. Bei den Rotweinen sind je Stock 3 lockerbeerige Trauben der Idealfall, bei den Weißweinen eine Kleinigkeit mehr. Ausgedünnt wird sehr spät, auf Behandlungen mit Kupfer und Schwefel wird ab den Monaten, wo die Trauben färben, verzichtet. Enzo ist zutiefst überzeugt, dass auf den Schalen haftende Reste von diesen beiden Substanzen, die mit dem Lesegut in den Keller gebracht werden könnten, dem Charakter der Weine großen Schaden zufügen könnten. Für mich wieder eine neue These, die ich so noch von keinem Winzer gehört hatte.

Als er erzählte, dass der nun kurz vor der Ernte stehende Jahrgang 2015 mit guten Mengen aufwarten könne, die Qualitäten, die er erwarte gut seien, aber nicht mehr, dachte ich an einen Ertrag von vielleicht 50 bis 60 tausend Flaschen. Weit gefehlt, wenn alles ganz gut geht, dann werden heuer nach längerer Zeit wieder etwas mehr als 20.000 Flaschen gefüllt werden.

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Wir fuhren in die Lagen. Il Corno di Rosazzo, ein Steilhang, wo die Reben auf Terrassen stehen: Welch ein Ausblick! Die Höhe von fast 300 M. ü.d.M. erlaubt einen 380° Blick über den ganzen Collio und die Colli Orientali. Die Nähe der Staatsgrenze zu Slowenien zeigt, dass eigentlich ein Großteil der Weinberge des berühmten Collio in Slowenien liegt.

Filip, ein mit sehr alten Merlot Reben sowie mit ganz alten Tocai Stöcken bepflanzter kleinerer Weinberg, zeigt noch die Mischkultur in dieser Gegend, als man in den Weinbergen auch noch Obst, Sträucher und Gemüse pflanzte. Wir kosteten die Trauben, die der Winzer in ca. 3 Wochen holen möchte. Welch eine Süße, man merkte schon an den frischen Trauben die Vielschichtigkeit und die Noblesse dieses Obstes.

Nun zur Probe.

Im Keller hat Enzo ein kleines „Verließ“, wo die privaten Reserven und jene Flaschen liegen, die eben bei Proben mit Freunden geöffnet werden. Da in diesem Weingut nie Zeit für Besucher ist, war es für uns ein Privileg, einen Abend mit diesem bescheidenen und sehr ausdruckstarken Mann zu verbringen. Einige dieser Raritäten nahm er nun mit hoch in seine Garage, wo wir auf gestapelten Holzbrettern einen Tisch zusammenbauten und uns zur Probe, begleitet von einer zünftigen Jause, hinsetzten.

Los ging’s mit dem Sauvignon Saurint 2003 aus der Magnum. Ein wuchtiger Start, der Wein zeigte die Hitze dieses Sommers aber auch den damals noch stärkeren Einsatz neuer Hölzer. Ein guter Wein, überhaupt nicht müde, im Gegenteil, kräftig und dominant, aber nicht holprig.

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Jetzt wurde die Ribolla 2006 geöffnet. Wieder eine Magnum. Nun zeigten sich die Perfektion und die ganze Erfahrung eines qualitätsbesessenen Winzers. Welch ein Wein! Schillernde Klarheit, ja fast brillant und graziös zeigte sich dieser Wein. Mit dieser Rebe, die nicht das Lieblingskind des Herrn Pontoni ist, begann unsere Reise in eine ganz spezielle, in dieser Art noch selten erlebte Welt besonderer Weine.

Nun entkorkte Herr Pontoni eine Ribolla aus dem Jahre 1993. Natürlich hatte dieser über 20 Jahre alte Wein gar einige ergraute Haare, je länger er im Glas war, umso interessanter und komplexer wurde er im Duft und im Trunk. Während die anderen über diesen Wein in eine lange Diskussion gerieten, trank ich mit Freude mein Glas aus. Es wird mir als eine besondere Rarität in Erinnerung bleiben.

Jetzt wurden drei Weine aus dem für dieses Weingut sehr guten Jahrgang 2009 geöffnet. Alles Magnum: Sauvignon Saurint, Sauvignon Banel und Chardonnay Baracca.

Nun wurde es richtig verständlich, warum die Weine dieses Weingutes so oft als Maßstab für alle anderen Weißweine in Italien hergenommen werden.

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Ein großer Jahrgang zeigt, was in dieser Gegend wirklich möglich ist: Weine, die man gar nicht so einfach beschreiben kann, Genuss und Trinkfreude in schierer Perfektion vereint.

Zwei Rotweine wurden uns noch gezeigt. Zum einen ein Rosso Miani aus dem Jahre 2007 und ein vor kurzem gefüllter Merlot aus der Lage Filip, Jahrgang 2012.

Ich freue mich richtig, den Merlot im November kaufen zu dürfen. Er wird in meinem Keller in jenes Fach kommen, wo die Weine liegen, mit deren Winzern mich ein besonderes Verhältnis verbindet.

Leider ist der Rosso Miani 2007 bei uns schon ausgetrunken worden, bei der Probe merkte ich, dass dieser kleinste Wein des Weingutes leider viel zu früh angeboten wurde.

Vielen Dank einem tollen Winzer für die gewidmete Zeit!

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Jahrgang 2014 – Risiko wurde belohnt

Viel wurde vom Jahrgang 2014 in den Österreichischen Weinlandschaften erzählt und geschrieben, Positives wenig: Alle berichteten von zu feuchten und zu warmen Monaten im Herbst.

Dies mag auch im weitesten Sinne zutreffen, aber während meiner Reise Anfang Mai hörte ich auch einiges Positives, ja gar einige Winzer kamen in Euphorie beim Vorstellen der Weine, die man sicherlich unter schwierigen, aber nicht hoffnungslosen Bedingungen geerntet hat.

 

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Dieser Jahrgang zeigt,  dass es eigentlich keine schlechten Jahrgänge mehr gibt. Erfahrene Winzer wie Bernhard Ott, Rudi Pichler oder auch Toni Bodenstein vom Weingut Prager, um nur einige zu nennen, nahmen diese Herausforderung zu Gänze an und  brachten Weine auf die Flasche, die mit zum Besten gehören, was ich in den letzten Monaten verkostet habe.

Gutes Lesemanagement und  Nerven aus Stahl brauchte es, um diesen nicht einfachen 2014er zu bändigen. Das geduldige Warten auf den idealen Erntezeitpunkt, sehr wohl wissend, dass dies nur mit großen Verlusten an Trauben möglich war, sowie eine akribische Traubenselektion war die Ansage.

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Auch Schloss Gobelsburg, das man nicht mehr zu den kleinen Betrieben zählen kann, wusste sehr gut mit diesem Jahrgang zu spielen.

Riesling tat sich mit dieser großen Herausforderung wesentlich leichter als Grüner Veltliner.

Was diese Rebe anbelangt, so gehören die Veltliner von Bernhard Ott auf die Sonnenseite dieses Jahrgangs. Dieser Winzer nahm die Herausfordungen der Natur  so wie vorgegeben an. Biodynamische Landwirtschaft sowie gut überlegte Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt, waren wichtige Mosaiksteine  für Frische und  Spannung.

Bereits im Januar entschied man sich in diesem Weingut alles was in den Lagen Spiegel, Stein und Rosenberg geerntet wurde zu deklassieren, um damit den Klassikern dieses Gutes, „Am Berg, Fass 4 und Der Ott“ eine Qualitätsstütze zu geben. Dass dies mit wirtschaftlichen Einbußen verbunden ist, braucht nicht weiter erwähnt zu werden. Qualität geht in diesem Weingut vor Gewinnmaximierung.

Was aufgefüllt wurde, kann sich sehen lassen. Alle drei Weine sind geprägt von leichter, ja fast tänzelnder Eleganz. Herausragend „Der Ott“ 2014. Für diesen Wein wurden Trauben, die von den alten Rebstöcken der drei Ersten Lagen selektioniert wurden, verwendet. Dies und eine schonende Hand im Keller verhalfen diesem Wein, der den Familiennamen auf der Flasche trägt, zu einer in diesem Segment noch nicht gezeigten Qualität. Moderate Alkoholgradationen verbunden mit einer frischen, ja fast salzigen Mineralität und eine sehr präzise Frucht verleihen diesem Wein Charme und Finesse. Dieser Grüne Veltliner wird uns Weinfreunden noch viele Jahre  Freude bereiten.

 

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Auch Schloss Gobelsburg zeigt spannende Grüne Veltliner. Vor allem im Basissegment ist es Michi Moosbrugger gelungen, diesen Jahrgang, der äußerst arbeitsaufwendig war, nicht anbrennen zu lassen. Auffallend sind seine Rieslinge. Mit einem saftigen, ja fast zupackenden Basiswein namens Urgestein, gelang es diesem Weingut die Landschaft, aber auch den Jahrgang gut auf die Flasche zu bringen.

Auch in der Wachau war 2014 eher ein Riesling- als ein Grüner Veltliner-Jahrgang. Wer es verstanden hat, die markant hohen Säurewerte abzupuffern, wer die Nerven hatte so lange zuzuwarten, bis die phenolische Reife der Trauben auf den lang ersehnten Werten war und wer keinen Aufwand in der Traubenselektion scheute, dem gelang es Weine auf die Flasche zu bringen, die mit zum Besten gehören, was in dieser wunderbaren Region in den letzten Jahre gezeigt wurde.

Leider gibt es auch viel Gegenteiliges. Weine vor allem im mittleren Qualitätsbereich zeigen die markanten Probleme des kühlen und nassen Jahres.

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Einige Winzer entschieden sich in das Säurekorsett einzugreifen sowie mit Aufzuckerung nachzuhelfen. Die so entstandenen Weine zeigen sich natürlich von einer ganz anderen Seite. Ich bereise diese Gegend schon Jahrzehnten. Auch für mich waren einige Proben wenig spannend, stumpf und unharmonisch, leider oft auch schwer verständlich und wenig erfreulich.

Damit lieber Weinfreund, bleibt es Ihnen überlassen, mit großer Vorsicht jene Weine auszusuchen, die einen Mehrwert für jeden Weinkeller bringen sollen. Diese Weine gibt es, man muss nur geduldig danach suchen. Tatsache ist, dass dieser 2014er uns mit einigen Gewächsen noch für viele Jahre große Freude bereiten wird. Er wird in die Geschichte eingehen als etwas ganz Besonderes, dies im Positiven, aber leider auch im Negativen.

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Verkostungen

Eine einzigartige Vertikale!

Barolo Bric del Fiasc 1978 bis 2008 – Azienda Vitivinicola Paolo Scavino in Castiglione Falleto

 

Ich freute mich riesig und bin der Familie Scavino zutiefst dankbar, dass man mich zu dieser einzigartigen Vertikalverkostung in den wunderschönen Kellern des Weingutes eingeladen hat.

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Am 20 März war es soweit!

 

Nach den Grußworten des Seniorchefs, Signor Enrico Scavino, der kurz die Geschichte seines Betriebes vom schwierigem Anfang bis in die heutige Zeit erzählte, wurden wir zum Aperitif im Vorgarten des Gutes geladen.

Gegen 12.30 Uhr führte man uns an die wunderschön gedeckten Tische, die in den Kellern des Gutes vom Restaurant „La Ciau del Tornavento“ aus Treiso perfekt vorbereitet worden waren. Alles war wunderbar gedeckt, jeder fand auf seinem Platz sein Namensschild, neben jedem Gedeck standen 3 Burgundergläser aus dem Hause „Zalto“. Allein dies machte einen gediegenen Eindruck und gab dem Ganzen einen ganz besonderen Rahmen.

Wir wurden von hochdotierten Köchen aus der Gegend mit einem hochwertigen Menü verwöhnt. Eine Hommage an dieses einzigartige Gebiet der „Langa“ mit den weltbekannten Orten Barolo und Barbaresco als Weinzentren. Wie stolz und doch bescheiden sind die Menschen dieser Gegend!

Nun zu den Weinen!

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Serviert wurden mit dem ersten Flight der Barolo Bric del Fiasc 2008, jener aus 2004 und als letzter der Jahrgang 2001. 2008 wurde dann auch immer nachgeschenkt und war eigentlich der Wein zum ganzen Menü. Ein schöner Barolo, perfekt zum Menü passend, einladend und schön trinkfreudig. Danach kamen immer 2 Barolos aus dem vorigen Jahrhundert in die Gläser.

Es war eine kurvenreiche Probe.

Was könnte besser als diese Weine den klimatischen Verlauf einer so langen Periode zeigen, wer könnte besser die Entwicklung einer großen Winzerpersönlichkeit im Laufe der Jahre ins Glas bringen?

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Weine Stimmungen großer Winzerpersönlichkeiten über Jahre zeigen können.

Alle Flights waren spannend und vor allem fordernd. Aufgefallen sind mir aber ganz besonders die Barolos aus den Jahren 1997, 1996, 1989 und 1985. Um nicht zu lang zu werden, möchte ich mich auf diese vier Gewächse beschränken.

Im Jahr 1985 fing ich an bei Scavino zu kaufen. Ich erinnere mich noch genau an diese Probe vor 30 Jahren mit Enrico Scavino, auch seine Frau war damals zugegen. Heute, bei dieser feierlichen Probe, war die Signora nicht anwesend, eine Krankheit hat dies leider verhindert. Dieser Wein zog mich bereits vor 30 Jahren in seinen Bann. Nun, nach so vielen Jahren durfte ich diesen Wein wieder verkosten. Welche Freude!

Ein paar graue Haare zeigt dieser ältere Herr in den schönen Burgundergläsern von Zalto. Sonst finde ich ihn strahlend, charismatisch und getragen von einer graziösen Eleganz.

1989 strotzte nur so von einer an dunkle Beeren und an bittere Schokolade erinnernden Fruchtigkeit.

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Saftig im Gaumen, getragen von einer schönen Leichtigkeit fliegt dieser Wein mit einer schier nicht mehr enden wollenden Länge tief in den Gaumen, wo sich diese im Ansatz intensiven Fruchtnoten wunderbar wiederholen.

1996 zeigte einen Jahrgang, der zwar als gut, aber von vielen Winzern als sehr fordernd und komplex beschrieben wird. Die Nase verhalten, nur ganz in der Tiefe, fast schon im Dunkeln konnte man eine kräftige Frucht entdecken. Für eine lange und anstrengende Suche wurde der Weinliebhaber aber dann mit intensiven Aromen nach Tabak und Leder belohnt. Erinnerungen an das Einkochen von Waldfrüchten kamen auf: Im Gaumen viel Druck, leicht bitter, im Abgang etwas bremsend. Werden diese Tannine jemals weich und schmeichelnd?

1997 war wohl der Hauptdarsteller dieses Tages. Welch ein Wein! Schon die Nase betörte den Verkoster. Alles was Nebbiolo geben kann, kam hier reichlich aus dem Glas. Ich bin mir nicht sicher, ob immer ein Vergleich an die so geliebte burgundische Nase herhalten muss. War hier nicht noch mehr zu entdecken als in einem Pinot Noir bester Güte? Im Gaumen Erinnerungen an die Jugend, saftig, elegant und eine wunderschöne komplexe Frucht, die einen nach mehr und noch mehr suchen lässt. Man wurde immer wieder fündig. Im Finale dann, ganz in der Tiefe des Gaumens zeigte dieser Wein, so wie seine Farbe ein paar graue Haare, die ihm aber so gut standen, dass man sich immer wieder gerne damit auseinandersetzte.

 

Kompliment und Dank an eine ganz besondere und einzigartige Winzerfamilie!

 

 

 

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Burgund, Spannung pur

Anlässlich einer von meinen Geschäftspartnern organisierten Probe im Restaurant eines Freundes in Rom, hatte ich die Gelegenheit, über 20 Gewächse in Weiß und in Rot aus den Jahre 2010, 2011 und 2012 in Ruhe zu probieren. Alles Burgunder. Wir waren ca. 30 leidenschaftliche Weinfreunde, die Probe war perfekt vorbereitet, unserem Gastgeber Giulio, ein junger Sommelier mit viel Leidenschaft, vielen Dank.

Gezeigt wurden Weine von 4 Winzern.

Domaine Jacob Lucien aus Echevronne, Domaine Hermann Geoffroy aus Gevrey Chambertin, Domaine Humberts & Freres aus Gevrey Chambertin und jene von der Domaine Antoine Jobard aus Mersault.

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Wir entschieden uns, Winzer für Winzer einzuschenken, dies hatte zur Folge, dass öfters Weiß auf Rot folgte. Bewusst nahmen wir die Mersaults von der Domaine A. Jobard als letzte in die Probe.

Um es vorweg zu nehmen, wir haben an diesem Nachmittag richtig gut getrunken. Wenn man im Wein überhaupt von groß und schierer Perfektion sprechen kann, was prinzipiell zu verneinen ist, dann war an diesem Nachmittag schon einiges dabei, was man mit außergewöhnlich gut definieren kann.

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Ich machte heute keine Notizen, traf es mich doch, diese Probe zu moderieren. Trotzdem, da ich nun im Zug von Rom nach Bozen sitze schreibe ich ein paar noch frische Erinnerungen nieder.

Schon die preiswerten Gewächse von der Domaine Jakob Lucien zeigten wie gut Chardonnay und Pinot Noir sein kann. Hr. Lucien gelingt es immer wieder, auch im unteren Preissegment verführerisch gute Weine auf die Flasche zu bringen, perfekte Einsteiger für Menschen die sich dieser spannenden aber sehr gefährlichen Gegend anzunähern versuchen.

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Die Domaine Hermann Geoffrey, die im Herzen des kleinen Dörfchens Gevrey gelegen ist, zeigt dann was rote Burgunder, deren Trauben auf alten Rebstöcken, die Jahrzehnte lang sich auf großen Böden einleben konnten, wirklich können. Gevrey Chambertin 2011 Vielles Vignes und die Lage Lavaux S. Jaques ebenfalls vom Jahrgang 2011, beides Weine, die trotz ihrer Jugend den Verkoster in eine unbeschwerte, fast beglückende Weinwelt verführen. Ein sanftes Lächeln, das allen Gästen und Kunden beim Probieren dieser Weine im Gesicht abzulesen war, war die beste Bestätigung der Qualitäten.

Es ging noch weiter. Nun schenkten wir den 12er Jahrgang von Emanuel Humbert, einem Nachbar und Freund von Hermann Geoffrey in unsere Zalto – Gläser.

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Bourgogne rouge, Gevrey Chambertin Vielles Vignes, Gevrey Chambertin 1er Cru Poissenot, Gevrey Chambertin 1er Cru Petit Chapelle und als Abschluß den Charmes Chambertin Grand Cru

War bei den Weinen von Geoffrey noch die dunkle tiefe Frucht im Vordergrund, so genossen wir nun eine Kombination von seidiger Eleganz, verbunden mit frisch gepflückten saftigen Früchten des Waldes. Die vibrierende Länge dieser Weine von Emanuel verbunden mit einer schier fliegenden Leichtigkeit, die sich in steter Trinkfreude zeigt, verhalf diesen Weinen fast zur Perfektion.

Wir wussten, dass alles was wir einschenkten viel zu jung ist, trotzdem zeigten diese Weine dass man nicht Jahre- oder Jahrzehntelang warten muss, um perfekten Weingenuß zu erleben.

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Nun kamen die Mersault der Ernte 2012, des jungen qualitätsbesessenen Winzers Antoine Jobard von der Domain F&A. Jobard an die Reihe. Bereits sein Bourgogne Blanc zeigte, dass nach solch großen Rotweinen, eine Rückkehr auf Weißweine kein Problem darstellt. Welch einen Wein hatten wir im Glas, was wird da noch folgen, hatten wir doch alle Lagen zur Probe vorbereitet.

Über die Qualität dieser Weine möchte ich keine großen Zeilen verlieren. Kurz um, wir tranken auch bei diesen Chardonnays auf höchstem Niveau. Was uns aber begeisterte, waren die perfekte Holzarbeit des Winzers, die uns erst richtig diese Einzigartigkeit der Böden in und um Mersault vor Augen führte. Wir erinnerten uns an einen Spaziergang nach einem Wärmegewitter an einem heißen Sommertag im August. Die Komplexität, die Vielschichtigkeit und die einzigartige Mineralität dieser Weißweine, zeigt, dass dieser junge Winzer nicht umsonst von berühmten Weinkritikern zu den besten Weißweinproduzenten Überhaupt gezählt wird.

 

 

 

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