Verkostungen, Weinreisen

Burgund, Spannung pur

Anlässlich einer von meinen Geschäftspartnern organisierten Probe im Restaurant eines Freundes in Rom, hatte ich die Gelegenheit, über 20 Gewächse in Weiß und in Rot aus den Jahre 2010, 2011 und 2012 in Ruhe zu probieren. Alles Burgunder. Wir waren ca. 30 leidenschaftliche Weinfreunde, die Probe war perfekt vorbereitet, unserem Gastgeber Giulio, ein junger Sommelier mit viel Leidenschaft, vielen Dank.

Gezeigt wurden Weine von 4 Winzern.

Domaine Jacob Lucien aus Echevronne, Domaine Hermann Geoffroy aus Gevrey Chambertin, Domaine Humberts & Freres aus Gevrey Chambertin und jene von der Domaine Antoine Jobard aus Mersault.

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Wir entschieden uns, Winzer für Winzer einzuschenken, dies hatte zur Folge, dass öfters Weiß auf Rot folgte. Bewusst nahmen wir die Mersaults von der Domaine A. Jobard als letzte in die Probe.

Um es vorweg zu nehmen, wir haben an diesem Nachmittag richtig gut getrunken. Wenn man im Wein überhaupt von groß und schierer Perfektion sprechen kann, was prinzipiell zu verneinen ist, dann war an diesem Nachmittag schon einiges dabei, was man mit außergewöhnlich gut definieren kann.

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Ich machte heute keine Notizen, traf es mich doch, diese Probe zu moderieren. Trotzdem, da ich nun im Zug von Rom nach Bozen sitze schreibe ich ein paar noch frische Erinnerungen nieder.

Schon die preiswerten Gewächse von der Domaine Jakob Lucien zeigten wie gut Chardonnay und Pinot Noir sein kann. Hr. Lucien gelingt es immer wieder, auch im unteren Preissegment verführerisch gute Weine auf die Flasche zu bringen, perfekte Einsteiger für Menschen die sich dieser spannenden aber sehr gefährlichen Gegend anzunähern versuchen.

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Die Domaine Hermann Geoffrey, die im Herzen des kleinen Dörfchens Gevrey gelegen ist, zeigt dann was rote Burgunder, deren Trauben auf alten Rebstöcken, die Jahrzehnte lang sich auf großen Böden einleben konnten, wirklich können. Gevrey Chambertin 2011 Vielles Vignes und die Lage Lavaux S. Jaques ebenfalls vom Jahrgang 2011, beides Weine, die trotz ihrer Jugend den Verkoster in eine unbeschwerte, fast beglückende Weinwelt verführen. Ein sanftes Lächeln, das allen Gästen und Kunden beim Probieren dieser Weine im Gesicht abzulesen war, war die beste Bestätigung der Qualitäten.

Es ging noch weiter. Nun schenkten wir den 12er Jahrgang von Emanuel Humbert, einem Nachbar und Freund von Hermann Geoffrey in unsere Zalto – Gläser.

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Bourgogne rouge, Gevrey Chambertin Vielles Vignes, Gevrey Chambertin 1er Cru Poissenot, Gevrey Chambertin 1er Cru Petit Chapelle und als Abschluß den Charmes Chambertin Grand Cru

War bei den Weinen von Geoffrey noch die dunkle tiefe Frucht im Vordergrund, so genossen wir nun eine Kombination von seidiger Eleganz, verbunden mit frisch gepflückten saftigen Früchten des Waldes. Die vibrierende Länge dieser Weine von Emanuel verbunden mit einer schier fliegenden Leichtigkeit, die sich in steter Trinkfreude zeigt, verhalf diesen Weinen fast zur Perfektion.

Wir wussten, dass alles was wir einschenkten viel zu jung ist, trotzdem zeigten diese Weine dass man nicht Jahre- oder Jahrzehntelang warten muss, um perfekten Weingenuß zu erleben.

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Nun kamen die Mersault der Ernte 2012, des jungen qualitätsbesessenen Winzers Antoine Jobard von der Domain F&A. Jobard an die Reihe. Bereits sein Bourgogne Blanc zeigte, dass nach solch großen Rotweinen, eine Rückkehr auf Weißweine kein Problem darstellt. Welch einen Wein hatten wir im Glas, was wird da noch folgen, hatten wir doch alle Lagen zur Probe vorbereitet.

Über die Qualität dieser Weine möchte ich keine großen Zeilen verlieren. Kurz um, wir tranken auch bei diesen Chardonnays auf höchstem Niveau. Was uns aber begeisterte, waren die perfekte Holzarbeit des Winzers, die uns erst richtig diese Einzigartigkeit der Böden in und um Mersault vor Augen führte. Wir erinnerten uns an einen Spaziergang nach einem Wärmegewitter an einem heißen Sommertag im August. Die Komplexität, die Vielschichtigkeit und die einzigartige Mineralität dieser Weißweine, zeigt, dass dieser junge Winzer nicht umsonst von berühmten Weinkritikern zu den besten Weißweinproduzenten Überhaupt gezählt wird.

 

 

 

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Verkostungen

Unverhofft kommt oft

Manchmal passieren Dinge, die man so gar nicht planen kann. 2 Freunde waren auf Besuch, eigentlich wollten wir es bei einer Flasche Champagner belassen. So starteten wir sozusagen als Begrüßung  mit dem 2002er Brut Nature Millesime von J. Lasagne. Welch ein Wein. Knochentrocken, saftig, eine bestechende Leichtigkeit, sehr rund, der Abgang dominiert von einer ausgeprägten Mineralik und von einer ganz feinen kräutrigen Würze. Sehr einladend.

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Es gab die ersten Spargel, roh und gekocht. Wir holten eine Flasche Mersault 2005 Chevalier von Remy Jobard. Ich war gespannt, wie dieser Wein, der in seiner Jugend doch einen markanten Holzeinsatz zeigte sich entwickelt hatte. Wir waren überrascht, dieser Chardonnay zeigte sich nach wie vor als sehr frischer und einladender Begleiter zum rohen Spargel aus Bassano. Holz war vor allem im Gaumen aber weniger in der Nase spürbar. In keiner Weise mehr dominant oder störend. Etwas mehr Körper  könnte er gut gebrauchen. Auch im Abgang wünschte ich mir mehr Druck und mehr Tiefe. 2005 war doch ein sehr guter Jahrgang.  Trotzdem gebe ich diesem Wein noch mindestens ein Jahrzehnt, um seine ganzen Eigenschaften zu definieren und ich bin mir sicher, dass dieser Wein erst jetzt in die Phase kommt, wo er anfängt seine Herkunft und die Rebe gut zu definieren.

Nun gingen die Gedanken an eine Flasche Rotwein, hörte man doch schon die Rückensteaks von einem unserer Almochsen in der Pfanne brutzeln. Charmes Chambertin 2009 Grand Cru von der Domaine Humbert Freres aus Gevrey Chambertin.  Dies so dachte ich könnte die richtige  Wahl für diesen Abend sein. Sofort schenkte ich einen nicht allzu großen Schluck in die Burgunder Kelche von Zalto, um diesem Anfangs verhaltenen Wein eine möglichst große Oberfläche für eine schnelle Öffnung zu bieten. Das erste Mal mit dem Glas zur Nase, meine Gedanken erinnerten mich fast an ein geheimnisvolles Märchen, schwer zu definieren, was da noch alles versteckt war. Welch eine Harmonie. Welch eine Tiefe. Mit Leichtigkeit, fast so wie ein souveräner Schiedsrichter bei einem Fußballspiel regelte er die Geschmackssymphonie in allen Momenten der Verkostung. Zu jung, noch etwas ruppig, ja vielleicht sogar etwas wild, aber trotzdem ein wirklicher Begleiter mit Anstand und Bildung. So behalte ich diesen Burgunder in Erinnerung.

Es war noch nicht spät, die Gläser am Tisch waren alle leer, auf keinen Fall wollten wir unsere Gäste so sitzen lassen und es stellte sich die Frage, was sollte man noch trinken. Lange schon wollte ich einen 2010er Bordeaux probieren, hatte dieser Jahrgang doch so viel Furore, bereits in seiner Phase der Subskription gemacht. La Dame de Montrose 2010 wurde entkorkt. Nicht einfach, anfangs dachte ich mir es war der falsche Griff. Verhalten, sehr markante Tannine, die sich nie staubig zeigten aber  wenig Frucht, ja fast abweisend kam er daher. Der erste Schluck nach diesem eleganten Burgunder tat fast weh, aber  welch eine Freude, nach langem ruhigem und konzentriertem Warten, bahnte sich ein wunderbarer Abgang an. Ein wirklicher Gigant war da in unseren Gläsern. Viel zu jung, das wissen wir ja, aber trotzdem wollte ich diesen Wein in seiner Jugend einmal genossen haben. Mir tat dies auch nicht leid. Von Schluck zu Schuck erfreute dieses außergewöhnliche Gewächs aus einem wirklich großen Jahrgang unsere Kehlen. Welch eine Freude in diesen Jahrgang und in die Weine dieses Chateaus investiert zu haben.

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Ein toller Abend mit wirklichem Trinkgenuss ging zu Ende, nichts war so geplant und trotzdem bleibt mir der Genuss dieser vier beschriebenen Weine gemeinsam mit netten Menschen in Erinnerung.

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