Verkostungen

Eine einzigartige Vertikale!

Barolo Bric del Fiasc 1978 bis 2008 – Azienda Vitivinicola Paolo Scavino in Castiglione Falleto

 

Ich freute mich riesig und bin der Familie Scavino zutiefst dankbar, dass man mich zu dieser einzigartigen Vertikalverkostung in den wunderschönen Kellern des Weingutes eingeladen hat.

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Am 20 März war es soweit!

 

Nach den Grußworten des Seniorchefs, Signor Enrico Scavino, der kurz die Geschichte seines Betriebes vom schwierigem Anfang bis in die heutige Zeit erzählte, wurden wir zum Aperitif im Vorgarten des Gutes geladen.

Gegen 12.30 Uhr führte man uns an die wunderschön gedeckten Tische, die in den Kellern des Gutes vom Restaurant „La Ciau del Tornavento“ aus Treiso perfekt vorbereitet worden waren. Alles war wunderbar gedeckt, jeder fand auf seinem Platz sein Namensschild, neben jedem Gedeck standen 3 Burgundergläser aus dem Hause „Zalto“. Allein dies machte einen gediegenen Eindruck und gab dem Ganzen einen ganz besonderen Rahmen.

Wir wurden von hochdotierten Köchen aus der Gegend mit einem hochwertigen Menü verwöhnt. Eine Hommage an dieses einzigartige Gebiet der „Langa“ mit den weltbekannten Orten Barolo und Barbaresco als Weinzentren. Wie stolz und doch bescheiden sind die Menschen dieser Gegend!

Nun zu den Weinen!

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Serviert wurden mit dem ersten Flight der Barolo Bric del Fiasc 2008, jener aus 2004 und als letzter der Jahrgang 2001. 2008 wurde dann auch immer nachgeschenkt und war eigentlich der Wein zum ganzen Menü. Ein schöner Barolo, perfekt zum Menü passend, einladend und schön trinkfreudig. Danach kamen immer 2 Barolos aus dem vorigen Jahrhundert in die Gläser.

Es war eine kurvenreiche Probe.

Was könnte besser als diese Weine den klimatischen Verlauf einer so langen Periode zeigen, wer könnte besser die Entwicklung einer großen Winzerpersönlichkeit im Laufe der Jahre ins Glas bringen?

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Weine Stimmungen großer Winzerpersönlichkeiten über Jahre zeigen können.

Alle Flights waren spannend und vor allem fordernd. Aufgefallen sind mir aber ganz besonders die Barolos aus den Jahren 1997, 1996, 1989 und 1985. Um nicht zu lang zu werden, möchte ich mich auf diese vier Gewächse beschränken.

Im Jahr 1985 fing ich an bei Scavino zu kaufen. Ich erinnere mich noch genau an diese Probe vor 30 Jahren mit Enrico Scavino, auch seine Frau war damals zugegen. Heute, bei dieser feierlichen Probe, war die Signora nicht anwesend, eine Krankheit hat dies leider verhindert. Dieser Wein zog mich bereits vor 30 Jahren in seinen Bann. Nun, nach so vielen Jahren durfte ich diesen Wein wieder verkosten. Welche Freude!

Ein paar graue Haare zeigt dieser ältere Herr in den schönen Burgundergläsern von Zalto. Sonst finde ich ihn strahlend, charismatisch und getragen von einer graziösen Eleganz.

1989 strotzte nur so von einer an dunkle Beeren und an bittere Schokolade erinnernden Fruchtigkeit.

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Saftig im Gaumen, getragen von einer schönen Leichtigkeit fliegt dieser Wein mit einer schier nicht mehr enden wollenden Länge tief in den Gaumen, wo sich diese im Ansatz intensiven Fruchtnoten wunderbar wiederholen.

1996 zeigte einen Jahrgang, der zwar als gut, aber von vielen Winzern als sehr fordernd und komplex beschrieben wird. Die Nase verhalten, nur ganz in der Tiefe, fast schon im Dunkeln konnte man eine kräftige Frucht entdecken. Für eine lange und anstrengende Suche wurde der Weinliebhaber aber dann mit intensiven Aromen nach Tabak und Leder belohnt. Erinnerungen an das Einkochen von Waldfrüchten kamen auf: Im Gaumen viel Druck, leicht bitter, im Abgang etwas bremsend. Werden diese Tannine jemals weich und schmeichelnd?

1997 war wohl der Hauptdarsteller dieses Tages. Welch ein Wein! Schon die Nase betörte den Verkoster. Alles was Nebbiolo geben kann, kam hier reichlich aus dem Glas. Ich bin mir nicht sicher, ob immer ein Vergleich an die so geliebte burgundische Nase herhalten muss. War hier nicht noch mehr zu entdecken als in einem Pinot Noir bester Güte? Im Gaumen Erinnerungen an die Jugend, saftig, elegant und eine wunderschöne komplexe Frucht, die einen nach mehr und noch mehr suchen lässt. Man wurde immer wieder fündig. Im Finale dann, ganz in der Tiefe des Gaumens zeigte dieser Wein, so wie seine Farbe ein paar graue Haare, die ihm aber so gut standen, dass man sich immer wieder gerne damit auseinandersetzte.

 

Kompliment und Dank an eine ganz besondere und einzigartige Winzerfamilie!

 

 

 

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Burgund, Spannung pur

Anlässlich einer von meinen Geschäftspartnern organisierten Probe im Restaurant eines Freundes in Rom, hatte ich die Gelegenheit, über 20 Gewächse in Weiß und in Rot aus den Jahre 2010, 2011 und 2012 in Ruhe zu probieren. Alles Burgunder. Wir waren ca. 30 leidenschaftliche Weinfreunde, die Probe war perfekt vorbereitet, unserem Gastgeber Giulio, ein junger Sommelier mit viel Leidenschaft, vielen Dank.

Gezeigt wurden Weine von 4 Winzern.

Domaine Jacob Lucien aus Echevronne, Domaine Hermann Geoffroy aus Gevrey Chambertin, Domaine Humberts & Freres aus Gevrey Chambertin und jene von der Domaine Antoine Jobard aus Mersault.

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Wir entschieden uns, Winzer für Winzer einzuschenken, dies hatte zur Folge, dass öfters Weiß auf Rot folgte. Bewusst nahmen wir die Mersaults von der Domaine A. Jobard als letzte in die Probe.

Um es vorweg zu nehmen, wir haben an diesem Nachmittag richtig gut getrunken. Wenn man im Wein überhaupt von groß und schierer Perfektion sprechen kann, was prinzipiell zu verneinen ist, dann war an diesem Nachmittag schon einiges dabei, was man mit außergewöhnlich gut definieren kann.

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Ich machte heute keine Notizen, traf es mich doch, diese Probe zu moderieren. Trotzdem, da ich nun im Zug von Rom nach Bozen sitze schreibe ich ein paar noch frische Erinnerungen nieder.

Schon die preiswerten Gewächse von der Domaine Jakob Lucien zeigten wie gut Chardonnay und Pinot Noir sein kann. Hr. Lucien gelingt es immer wieder, auch im unteren Preissegment verführerisch gute Weine auf die Flasche zu bringen, perfekte Einsteiger für Menschen die sich dieser spannenden aber sehr gefährlichen Gegend anzunähern versuchen.

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Die Domaine Hermann Geoffrey, die im Herzen des kleinen Dörfchens Gevrey gelegen ist, zeigt dann was rote Burgunder, deren Trauben auf alten Rebstöcken, die Jahrzehnte lang sich auf großen Böden einleben konnten, wirklich können. Gevrey Chambertin 2011 Vielles Vignes und die Lage Lavaux S. Jaques ebenfalls vom Jahrgang 2011, beides Weine, die trotz ihrer Jugend den Verkoster in eine unbeschwerte, fast beglückende Weinwelt verführen. Ein sanftes Lächeln, das allen Gästen und Kunden beim Probieren dieser Weine im Gesicht abzulesen war, war die beste Bestätigung der Qualitäten.

Es ging noch weiter. Nun schenkten wir den 12er Jahrgang von Emanuel Humbert, einem Nachbar und Freund von Hermann Geoffrey in unsere Zalto – Gläser.

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Bourgogne rouge, Gevrey Chambertin Vielles Vignes, Gevrey Chambertin 1er Cru Poissenot, Gevrey Chambertin 1er Cru Petit Chapelle und als Abschluß den Charmes Chambertin Grand Cru

War bei den Weinen von Geoffrey noch die dunkle tiefe Frucht im Vordergrund, so genossen wir nun eine Kombination von seidiger Eleganz, verbunden mit frisch gepflückten saftigen Früchten des Waldes. Die vibrierende Länge dieser Weine von Emanuel verbunden mit einer schier fliegenden Leichtigkeit, die sich in steter Trinkfreude zeigt, verhalf diesen Weinen fast zur Perfektion.

Wir wussten, dass alles was wir einschenkten viel zu jung ist, trotzdem zeigten diese Weine dass man nicht Jahre- oder Jahrzehntelang warten muss, um perfekten Weingenuß zu erleben.

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Nun kamen die Mersault der Ernte 2012, des jungen qualitätsbesessenen Winzers Antoine Jobard von der Domain F&A. Jobard an die Reihe. Bereits sein Bourgogne Blanc zeigte, dass nach solch großen Rotweinen, eine Rückkehr auf Weißweine kein Problem darstellt. Welch einen Wein hatten wir im Glas, was wird da noch folgen, hatten wir doch alle Lagen zur Probe vorbereitet.

Über die Qualität dieser Weine möchte ich keine großen Zeilen verlieren. Kurz um, wir tranken auch bei diesen Chardonnays auf höchstem Niveau. Was uns aber begeisterte, waren die perfekte Holzarbeit des Winzers, die uns erst richtig diese Einzigartigkeit der Böden in und um Mersault vor Augen führte. Wir erinnerten uns an einen Spaziergang nach einem Wärmegewitter an einem heißen Sommertag im August. Die Komplexität, die Vielschichtigkeit und die einzigartige Mineralität dieser Weißweine, zeigt, dass dieser junge Winzer nicht umsonst von berühmten Weinkritikern zu den besten Weißweinproduzenten Überhaupt gezählt wird.

 

 

 

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Weinjahr Österreich 2013

2013 hat in jenen Weinbaugebieten, die ich letzthin bereiste, eines gemeinsam: Es ist ein spannendes und aufregendes Jahr.

Alle Winzer erzählten über die gleichen Herausforderungen und auch über die gleichen Sorgen.

Auf einen sehr langen und kalten Winter folgte ein stark verregnetes Frühjahr. Eine nicht optimal verlaufende Blüte war ein Grund dafür, dass die Ernte wesentlich geringer ausfiel als in normalen Jahren. Zudem brachte eine Hitzewelle im Juni eine von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich stark auftretende Verrieselung der Trauben mit sich. Ein extrem heißer Sommer mit Höchstwerten bis knapp um die 40 ° C im Gebiet um Loiben setzte vor allem dem Grünen Veltliner nochmals stark zu.

Auf diese Klimakapriolen folgte ein „Goldener Herbst“ mit ausgeprägten Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Dies und eine vom Wetter stark unterstützte Lese brachte dann doch noch in fast allen Gebieten eine gute, bei manchen Winzern auch außergewöhnliche Qualität.

Jene Trauben, die in guten Lagen reifen durften und aufgrund der Bodenbeschaffenheit auch ein Mindestmaß an Feuchtigkeit bekamen, konnten den hochsommerlichen Hitzestress gut verkraften.

Andererseits merkt man auch die Probleme dieses Jahrgangs. In Gebieten, wo die Rebe wirklich in Hitze- und Trockenstress kam, zeigen sich die Weine oft bitter und zehrend. Die Frucht ist oft stark im Hintergrund, wenig Harmonie macht die Weine kantig und wenig trinkfreudig.

Es ist sehr erfreulich, dass die Alkoholgradation sich langsam wieder an jene Werte, die wir vor ca. zehn Jahren hatten, anzunähern scheint.

Bei gar einigen Winzerfamilien ist ein Generationswechsel im Gange oder schon vollzogen. Gerade diese jungen und sehr sympathischen Winzersöhne haben erkannt, dass bei großen Weißweinen gerade die richtige „Dosis“ aller Komponenten, somit auch des Alkohols, ein unabkömmlicher Bestandteil für Harmonie, Lagerfähigkeit und Trinkfreude für Jahrzehnte ist.

Andere Probleme und Sorgen gab es beim Riesling. Hier waren sicherlich die hohen und mehr als knackigen Säurewerte sowie der Befall der Trauben mit Botrytis eine große Herausforderung.

Trotz all dieser wirklich schwierigen Aufgaben gelang es einigen Produzenten wunderbare Rieslinge auf die Flasche zu bringen. Auch bei dieser Rebsorte ist der moderate Alkoholgehalt für unsere Gaumen wie Balsam. Einige Rieslinge in „Smaragd“ Qualität werden mit den ganz großen Jahrgängen der letzten 25 Jahre mithalten können.
Die Verkostungen während dieser Reise in die österreichischen Weinbaugebiete lassen sicherlich auch Spitzenweine erwarten, die an legendäre Jahrgänge wie 1999 oder auch 2006 anschließen könnten.

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Unverhofft kommt oft

Manchmal passieren Dinge, die man so gar nicht planen kann. 2 Freunde waren auf Besuch, eigentlich wollten wir es bei einer Flasche Champagner belassen. So starteten wir sozusagen als Begrüßung  mit dem 2002er Brut Nature Millesime von J. Lasagne. Welch ein Wein. Knochentrocken, saftig, eine bestechende Leichtigkeit, sehr rund, der Abgang dominiert von einer ausgeprägten Mineralik und von einer ganz feinen kräutrigen Würze. Sehr einladend.

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Es gab die ersten Spargel, roh und gekocht. Wir holten eine Flasche Mersault 2005 Chevalier von Remy Jobard. Ich war gespannt, wie dieser Wein, der in seiner Jugend doch einen markanten Holzeinsatz zeigte sich entwickelt hatte. Wir waren überrascht, dieser Chardonnay zeigte sich nach wie vor als sehr frischer und einladender Begleiter zum rohen Spargel aus Bassano. Holz war vor allem im Gaumen aber weniger in der Nase spürbar. In keiner Weise mehr dominant oder störend. Etwas mehr Körper  könnte er gut gebrauchen. Auch im Abgang wünschte ich mir mehr Druck und mehr Tiefe. 2005 war doch ein sehr guter Jahrgang.  Trotzdem gebe ich diesem Wein noch mindestens ein Jahrzehnt, um seine ganzen Eigenschaften zu definieren und ich bin mir sicher, dass dieser Wein erst jetzt in die Phase kommt, wo er anfängt seine Herkunft und die Rebe gut zu definieren.

Nun gingen die Gedanken an eine Flasche Rotwein, hörte man doch schon die Rückensteaks von einem unserer Almochsen in der Pfanne brutzeln. Charmes Chambertin 2009 Grand Cru von der Domaine Humbert Freres aus Gevrey Chambertin.  Dies so dachte ich könnte die richtige  Wahl für diesen Abend sein. Sofort schenkte ich einen nicht allzu großen Schluck in die Burgunder Kelche von Zalto, um diesem Anfangs verhaltenen Wein eine möglichst große Oberfläche für eine schnelle Öffnung zu bieten. Das erste Mal mit dem Glas zur Nase, meine Gedanken erinnerten mich fast an ein geheimnisvolles Märchen, schwer zu definieren, was da noch alles versteckt war. Welch eine Harmonie. Welch eine Tiefe. Mit Leichtigkeit, fast so wie ein souveräner Schiedsrichter bei einem Fußballspiel regelte er die Geschmackssymphonie in allen Momenten der Verkostung. Zu jung, noch etwas ruppig, ja vielleicht sogar etwas wild, aber trotzdem ein wirklicher Begleiter mit Anstand und Bildung. So behalte ich diesen Burgunder in Erinnerung.

Es war noch nicht spät, die Gläser am Tisch waren alle leer, auf keinen Fall wollten wir unsere Gäste so sitzen lassen und es stellte sich die Frage, was sollte man noch trinken. Lange schon wollte ich einen 2010er Bordeaux probieren, hatte dieser Jahrgang doch so viel Furore, bereits in seiner Phase der Subskription gemacht. La Dame de Montrose 2010 wurde entkorkt. Nicht einfach, anfangs dachte ich mir es war der falsche Griff. Verhalten, sehr markante Tannine, die sich nie staubig zeigten aber  wenig Frucht, ja fast abweisend kam er daher. Der erste Schluck nach diesem eleganten Burgunder tat fast weh, aber  welch eine Freude, nach langem ruhigem und konzentriertem Warten, bahnte sich ein wunderbarer Abgang an. Ein wirklicher Gigant war da in unseren Gläsern. Viel zu jung, das wissen wir ja, aber trotzdem wollte ich diesen Wein in seiner Jugend einmal genossen haben. Mir tat dies auch nicht leid. Von Schluck zu Schuck erfreute dieses außergewöhnliche Gewächs aus einem wirklich großen Jahrgang unsere Kehlen. Welch eine Freude in diesen Jahrgang und in die Weine dieses Chateaus investiert zu haben.

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Ein toller Abend mit wirklichem Trinkgenuss ging zu Ende, nichts war so geplant und trotzdem bleibt mir der Genuss dieser vier beschriebenen Weine gemeinsam mit netten Menschen in Erinnerung.

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Vinitaly 2014

Auf die Summa folgte direkt die Vinitaly.
Ganz anders, unglaublich groß und mit dem PKW schwer und nur mit vielen Staus zu erreichen.

Die Messe selbst war gar nicht so schlecht. Zu viele Besucher, ich hatte den Eindruck dass das Fachpublikum in der Unterzahl war.

Ich war heuer mit dem Gedanken dort, wirklich Neues zu finden. Auch der Weinkeller und die Weinkarte braucht Neues um spannend zu bleiben. Gar nicht so einfach im Segment wo wir suchen, fündig zu werden.

Lange schon hatte ich die Gegend im Norden des Piemonts im Visier. Den Weinlandschaften von Boca, Lessona, Ghemme und Gattinara und den wenigen dort arbeitenden Winzern wollte ich einen Tag widmen.

Paolo de Marchi, ein uns allen bekannter Winzer piemontesischen Ursprungs, bekannt geworden mit seinem Cepparello aber auch mit seinem Chianti, zog es zurück in seine geliebte Gegend unterhalb den Gipfeln des Monterosa Massivs mit nicht wenigen 4000er. Eine einzigartige Landschaft, die vor vielen Jahrzehnten als die Wiege des Nebbiolos galt.
Die Feinheit dieser dort wachsenden Weine ist bemerkenswert. Nicht nur Nebbiolo als Hauptsorte, aber auch Vespolina und Croatina haben hier eine „Heimat“ gefunden, wo diese Reben mit zunehmender Konstanz außerordentliche Qualitäten auf die Flasche bringen.

Heiße Tage, kühle Nächte, eine lange Vegetationszeit, und einzigartige Böden lassen Weine entstehen die nicht durch Druck und Breite, sondern durch Eleganz und Feinheit auf sich aufmerksam machen.

Wenige Winzer gehen diesen Weg der Rekultivierung alter verwilderter Weinberge mit großer Überzeugung aber vor allem mit größtem Aufwand.
Lessona, wie diese Gegend heißt, wurde von Paolo und seinem Sohn Luca vom Dornröschenschlaf erweckt. Es folgten noch Massimo Clerico, ein junger dort beheimateter Winzer, der sich ihm anschloss. Ich probierte auch Weine von anderen Winzern, möchte mich aber auf diese beiden beschränken.

In seinem Weingut das den Namen Proprietá Sperino trägt, wird von Vater Paolo und von Sohn Luca mit Herzblut gearbeitet. Die Böden, die zu einem großen Teil aus Meeressand, Erosionsmaterial von den nahen Gletschern und von sehr eisenhaltigen vulkanischen Porphyr Schichten geprägt sind, lassen Weine wachsen, die in dieser Eleganz und Feinheit schwer zu finden sind.

Folgende Weine sind mir aufgefallen:

 

Rosa del Rosa – Coste della Sesia Doc rosato 2013

Viel mehr als ein Rosé für die warmen Stunden auf der Terasse. Dicht und trotzdem sehr trinkfreudig, seine dezente nicht aufdringliche Frucht verleiht ihm Charme, seine mineralische Note zeugt von Trauben, die auf alten Reben wuchsen seine Harmonie zeigt das Feingefühl des Winzers.

Uvaggio 2011 Coste della Sesia Doc 2011 (Nebbiolo, Vespolina und Croatina)

Eine verführerische Nase lässt spannendes erwarten. Der Gaumen ist nichts für jene die Feinheit und Frucht suchen. Etwas harzige, rustikale Noten, eine leichte Bitterkeit im Abgang, und zu dominante Tanine, dies sind die Eigenschaften die ich bei dieser Probe notiert habe. Er wird noch viel Zeit brauchen, um richtig Spaß zu machen. Wenn überhaupt?

Lessona 2009 (Nebbiolo)

Dies ist das Spitzengewächs dieses Weingutes. Auch sein Preis ist auf dem Niveau der namhaften Barolos. Meiner Meinung hat dieser Wein auch den Wert guter Barolos. Blitzsaubere Nase, eine tiefe nicht aufdringliche Frucht, schon beim einsaugen des Duftes in die Nase kommt leichter Speichelfluss auf. Im Gaumen kommen sofortige Erinnerungen an einen jungen Gevrey Chambertin. Vielleicht etwas geschmeidiger. Schöne lange seidige Frucht. Etwas Tabak wunderbar samtige Tanine im Abgang. Kein ganz großer Wein, einfach gut.

 

 

Von Massimo Clerico verkostete ich folgende Weine:

Ca` du Leria 2011: (Nebbiolo, Croatina und Vespolina)

Dieser als Basiswein angebotene Cuvée aus den oben genannten Rebsorten, überzeugt mit Eleganz und Feinheit. Kühle nach frischen Waldbeeren erinnernde Frucht, eine milde, reife und gut eingebundene Säure, aber vor allem eine schöne Salzigkeit verleiht diesem Wein Trinkfreude. Ein angenehmer Begleiter mit sehr gutem Preis- Leistungsverhältnis.
Spanna 2010:

In diesem reinsortigen Nebbiolo aus einem als sehr gut klassifiziertem Jahrgang, muß ich schon sehr lange suchen, bis ich diese Frische und Eleganz die man besonders in diesem Gebiet sucht, finde. Dieser Wein wird stark vom Alkohol der schlecht eingebunden ist dominiert. Die etwas versteckte Frucht hat es nicht leicht, bittere und etwas gezehrte Tanine dominieren den Abgang.

Der wichtigste Wein des Weingutes wird bei allen nach der Gegend benannt, also Lessona und wird im Normalfall aus 100 % Nebbiolo erzeugt.

 
Lessona 2008 und 2009:

Dieser reinsortige Nebbiolo reift auf Stöcken, die um 1970 gepflanzt wurden. Man merkt die Kraft der alten Rebe, nie ist dieser Wein breit und fett.

Kaum zu glauben, wie unterschiedlich ein und derselbe Wein vom gleichen Winzer aus einem anderen Jahr sein kann. Mit 2008 möchte ich mich nicht länger befassen, 2009 war einfach eine andere Liga.

Dieser Jahrgang wird meinen Ansprüchen gerecht. Elegant, sehr einladend, präzise im Abgang, sehr fein, saftig, kurze Anflüge von Leder, ein leichter Duft von nassem Moos, aber eine schöne und lang anhaltende Tiefe. Potential für noch viele Jahre. Dieser Wein wird eine gute Investition werden.
Evt neuer Block:

Kurz darauf traf ich zufällig Roberto Conterno. Ihm verdanke ich, das Weingut Az. Vitivinicola Nervi in Gattinara und seinen Besitzer überhaupt kennengelernt zu haben.

Ich konnte mit dem Besitzer, Hr. Erling Astrup und mit Roberto eine schöne in die Tiefe gehende Probe von verschiedenen Weinen dieses historischen Betriebes miterleben.

Ohne langes Hin und Her wurde Gattinara 2006 eingeschenkt. Dieser reinsortige Nebbiolo zeigte sich von einer guten Seite. War dies der Einstiegswein? Ich wusste es noch nicht. Auf jeden Fall eine schöne Visitenkarte war es allemal.

Jetzt folgte eine Fassprobe des Gattinara von der Ernte 2008. Besser, lebendiger, ein Wein mit mehr Seele. Saftig und einladend, ein schöner Begleiter für viele Momente.

Es gibt in diesen Weingut auch noch zwei Lagenweine. Eine Lage nennt sich Valferrana, die andere Molsino. Sozusagen zwei Grand Cru.

Man schenkte den Valferana 2005 ein. Dieser Nebbiolo, der in Zementbehältern traditionell und ohne Zugabe von Reinzuchthefen vergoren wird, kommt nachher für 40 Monate in große gebrauchte Holzfässer. Trotzdem zeigte sich dieser Wein sehr frisch und sehr lebendig. Ein Wein der viel Freude bereitet. Ganz eigen, nicht zu vergleichen mit den Nebbiolos aus Barolo oder aus Barbaresco. Ganz andere Böden, eine andere klimatische Situation, eine längere Vegetationszeit und ein aus Norwegen stammender aber sehr traditionsbewusster und trotzdem von Innovation geprägter Winzer verleihen diesem Wein Eleganz, Charakter und eine sehr persönliche Note.

Nun gab es einen Nebbiolo 2006 aus der Lage Molsino. Dieser auf fast 450 m Höhe gelegene Weinberg zeigt was Nebbiolo in seiner angestammten Heimat kann. Eine nebbiolotypische, eher verhaltene Nase lässt Neugier und ein zufriedenes Grinsen aufkommen. Der Gaumen wird nicht enttäuscht. Welch ein Orchester von noch verhaltenen aber kompletten Aromen und Düften. Präzision und Geradlinigkeit prägen diesen Wein im Gaumen. Ein langer saftiger Abgang lädt zu einem erneuten Schluck ein. Kein ganz großer Wein, aber durch seine Eigenständigkeit gibt er mir Genugtuung und macht Freude.

Jetzt noch Molsino 2008 aus dem Fass:

Gefällt mir noch besser. Hier kommt wesentlich mehr Kraft und Druck in den Vordergrund. Bereits dieser Jungwein überzeugt mit seiner fein gegliederten Eleganz und mit seiner Vielfalt.

Nun fragte ich nach einer gereiften Probe. Man öffnete wieder einen Molsino aus dem Jahre 1999.

Haben wir vorhin zu gut verkostet. Hat man uns verwöhnt. Ich konnte mich mit dieser Probe nur im ersten Moment anfreunden. Im Gaumen fand ich wieder diese Tanine, die richtig zehren, zu viele graue Haare, zu schlaff und zu kurz, dies waren die Eigenschaften die ich mir aufgeschrieben hatte. Ich fand einfach nicht diese Eleganz und diese spannende von Mineralik unterlegter Frucht im Abgang, für die wir den Nebbiolo so suchen und mögen. War es nur diese eine Flasche?

 

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Weineinkauf, kein leichtes Unterfangen

Nun sind sie vorbei, die großen  italienischen Weinevents.

Summa 2014, wie jedes Jahr eine tolle Veranstaltung. Perfekt organisiert, vom Parken bis zur Abreise fühlt man sich umsorgt.

Zur Summa kann nicht jeder Winzer kommen. Es wird sorgfältig gewählt, wer seine Weine zeigen darf. Somit ist schon ein bestimmtes Qualitätsniveau vorgegeben.

Ich beschäftigte mich vorwiegend mit Rotweinen.

Das Weingut Due Mani von Luca D´Attoma hatte ich schon länger im Kopf. Ganz egal wo dieser Name auftaucht, fast immer sind Weine die seinen Stempel tragen etwas Besonderes. Sein eigener kleiner Betrieb „Due Mani“ damit bezeichnet er seine Hände und jene seiner Frau, hat sich in kurzer Zeit zu einem klingenden Namen emporgearbeitet.

Ich verkostete seinen Ciffra 2012, wenn man so will ist dies sein Basiswein. Dieser reinsortige Cabernet Franc überraschte mich. Elegant, sehr einladend nicht zu breit und trotzdem eine schöne Länge. Sehr trinkfreudig. Spannend und saftig im Gaumen.

In diesem von Demeter zertifizierten biodynamisch arbeitenden Betrieb werden noch 3 weitere Weine gekeltert. Altrovino, eine Cuvée von 50 % Merlot und 50 % Cabernet Franc, Duemani, wieder ein über dem Basiswein stehender Cabernet Franc und als Spitze der „Sui Sassi“, 100 % Syrah.

Ich kostete diese Weine 2 mal an zwei verschiedenen Tagen. Meine große Sympathie hatte immer noch der „kleine Cifra“. Was so oft im Einkauf gilt, beim Wein kommt das oft ganz besonders zur Geltung. Nicht immer ist das teuerste auch das wertvollste.

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Beim durchwandern der alt ehrwürdigen Räume vom Ansitz Hirschbrunn staunte ich nicht wenig, als da das von mir so geschätzte Weingut Valentini mit einem eigenen Stand zu Gast war. Das Ehepaar Valentini war selbst vor Ort, schön diese wirklich einzigartigen Persönlichkeiten wieder mal zu treffen.

Er zeigte seinen Trebbiano 2011. Oft erzähle ich meinen Gästen, Mitarbeitern und Kunden, dass Valentini nun schon seit Jahrzehnten mit den besten Weißwein Italiens in die Flasche bringt. Diese Probe war bezeichnend und eine Bestätigung dessen was Insider schon so lange wissen. Einzigartig, einfach Valentini. Wenn man Mineralik im Wein finden kann, dann ist sie in diesem wunderbaren aber immer sehr eigenen Weißwein ganz besonders präsent. Welch ein Genuss, diesen Wein so wie bei Proben üblich zu spucken, ist gar nicht so einfach.

Cerasuolo, ein oft verkannter kleinerer Bruder. Dieser Rosé aus dem Jahrgang 2012 geht in die gleiche Richtung. Obwohl etwas mehr Alkohol, mehr Kraft und mehr Dichte, im Gaumen kommt diese wunderbare, fast fliegende Leichtigkeit und im Abgang diese Tiefe samtige Länge die sehr präzise und lange im Gaumen steht.

Nach den Weinen von Valentini bedarf es einer kurzen Pause und eines Schluck Wassers.

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Visavis stehen die Weine von Le Macchiole, ein Weingut mit persönlichem Bezug. Luca D´Attoma steht für die önologische Beratung. Seine Handschrift ist deutlich zu finden.

Rosso Bolgheri 2012: Gut, schöner Ansatz in der Nase, Gaumen sehr gefällig. Im Abgang etwas alkoholisch geprägt, dir schöne Fruchtansatz wird leider etwas verdeckt.

Paleo 2010: wieder ein reinsortiger Cabernet Franc. Schon die Nase animiert, trotz seiner Jugend etwas verhaltene aber sehr dichte Frucht. Leicht ledrig, in der Tiefe wunderbare reife Beeren, im Gaumen lang, männlich kräftige aber nicht störende Tanine, vielleicht einer der besten Paleos die ich bis jetzt probiert habe.

Scrio 2010, 100 % Syrah: noch zu jung, um seine ganze Komplexität und seine noch versteckten Fruchtansätze zu entdecken. In der Tiefe, vor allem im Abgang zeigt er diesen verhaltenen aber sehr sauberen und vielschichtigen Fruchtansatz. Sehr lang, noch leicht staubige Tanine die die Eleganz verdecken. Vielleicht ein Wein für die Zukunft?

Messorio 2010 100% Merlot: schwer zu beschreiben. Kann Merlot in Bolgheri überhaupt eine Heimat finden. Ich weiss es nicht. Sicherlich ein guter Wein. Die Probe die man mir auf Summa zeigte muß mich erst bei einer nächsten Probe überzeugen. Wer den Preis dieses Weines weiß, wird sicherlich auch gerne ein zweites Mal nachkosten.

Wo Montevertine seine Weine zeigt muss man sich kurz zur Verkostung anstellen. Mich interessierten nur die beiden Roten. Rosso Montevertine und Le Pergole Torte.

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Montevertine 2011 (Sangiovese, Canaiolo und Colorino):

Auch in diesem sehr warmen und trockenen Jahrgang ist es Herrn Manetti gelungen einen frischen und sehr trinkfreudigen Wein auf die Flasche zu bringen. Gerade durch diese traditionelle Klassik macht dieser Wein jedes Jahr aufs neue viel Freude. Weine aus dem Chianti Classico können uns Weinfreunden immer noch viel Freude bereiten. Die Winzer die das schaffen werden leider immer weniger. Das Weingut Montevertine, das immer seiner von Sergio Manetti eingeschlagenen Linie treu geblieben ist, gehört sicherlich zu den großen Spielern dieser Gegend.

Le Pergole Torte 2011: Die „Sangioveto“ Traube kann sich wohl kaum charmanter und sympatischer zeigen.  Hr. Manetti wird wohl einer der letzten sein, dem es Jahr für Jahr gelingt diese sicherlich nicht einfach zu vinifizierende Traube in solcher Perfektion auf die Flasche zu bringen. Alle Komponenten die wir in einem wirklich guten Rotwein suchen, finden wir in diesem Wein in Harmonie und Ausgewogenheit.

Ja, was ist noch aufgefallen. Sicherlich die beiden Teroldego aus der Amphore von Foradori. Emilio Zierock der Sohn des in Weinkreisen unvergesslichen Rainer Zierock geht wohl den Weg seines Vaters und zeigt schon mit seinen ersten Weinen Mut zu Risiko und Freude an Neuem. Vor allem sein Morrei 2012 macht mir richtig Spaß. Schwer zu vergleichen mit anderen Weinen, gerade dies macht ihn besonders interessant und seine ganz besondere Geschichte wird wohl noch oft von Sommeliers die mit Leidenschaft ihren Beruf ausüben erzählt werden.

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Es waren noch einige klingende Namen zu Gast. Castello di Ama, Biserno, Podere Forti, Petrolo und viele mehr. Ich habe mich wirklich bemüht gut und konzentriert zu verkosten.

Erwähnen möchte ich aber keinen Wein mehr. Die Preise die manche dieser Weinproduzenten, ich nenne diese bewusst nicht Winzer, noch immer für sehr technische und oft gezehrte und hochkonzentrierte Weine haben möchten lassen einem erstarren.

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Weingut Schäfer – Fröhlich

Tim Fröhlich

Tim Fröhlich

Tim Fröhlich vermittelt von Anfang an den Eindruck großer Selbstsicherheit. Ruhig und gelassen wird man als Verkoster in eine hochinteressante und faszinierende Weinwelt geführt.

Mir kam fast so vor, als ginge man einen geologischen Weg durch eines der spannendsten Weinbaugebiete Deutschlands. Die Nahe ist wirklich einzigartig. Dieses kleine Weinbaugebiet, mit seinen ganz speziellen Lagen, gibt dem Riesling so viel Charakter und verschiedene Gesichter, wie es sonst nur ganz wenige Lagen vermögen.

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Gutsriesling 2013 (Fassprobe)

Schon dieser Einstiegswein ist mehr wie eine Visitenkarte. Nicht zu wuchtig, aber auch nicht klein, sehr ausgewogen und wunderbar saftig, im Abgang ein typisches aber nicht vordergründiges Rieslingfinale, so  zeigt sich dieser 2013er. Bereits hier merkt man, dass in einer als schwierig definierten Ernte man doch einiges finden kann das wirklich Freude macht.

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Vulkangestein

Riesling vom Vulkangestein 2013: (Fassprobe)

Ein Riesling feinster Gliederung. Sehr komplex, seine zarte Frucht erinnert an frisches Obst, im Hintergrund schöne Exotik  spürbar.

Animierend und sehr trinkfreudig. Wunderbarer Begleiter, in keinem Moment aufdringlich.

Riesling vom Schiefergestein 2013

Dieser  Wein wurde in  einer wunderbaren fast 70 % steilen Südlage aus Bockenau gelesen. Hoher Schieferanteil im Boden, gibt diesem Wein den cremigen, ja fast an Bergkräuter erinnernden Charakter. Welch ein Unterschied zum Riesling vom Vulkangestein, obwohl dahinter dieselbe Hand und dieselbe Leidenschaft eines Winzers steht. Böden so zu zeigen, kann in einem so ausgeprägtem Masse eben nur Riesling. Feinheit, eine auf Mineralik gebettete Frucht und eine samtige ausgewogene aber präsente Säure dominieren den Abgang.

Roter Schiefer und Quarzit

Roter Schiefer und Quarzit

Riesling Großes Gewächs „Frühlingsplätzchen“ 2013 (Fassprobe)

Natürlich ist dieser Wein noch reduktiv. Aber hier spürt man nun wirklich diese Mineralik, die zu beschreiben es gar nicht immer einfach ist. Salzigkeit und eine kräutrige Würze im Ansatz, nach längerem schwenken, in einem wunderbaren Zalto Glas, nimmt der Duft nach reifer Grapefruit und dezenter Exotik konstant zu. Kraftvoll, lang und trotzdem leicht, zeigt sich ein gerne genommener zweiter Schluck.

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Riesling Großes Gewächs „Felsenberg“ 2013: (Fassprobe)

Porphyr und Feuerstein dominieren den Boden wo die Reben des Felsenecks wurzeln. Das erste mal kommt Ruhe und schweigen unter den anwesenden Verkostern auf. Fällt dieser Wein ein wenig aus der Reihe? Auf jeden Fall zeigt er sich heute etwas ermüdet. Vielleicht will er sich nach einer langen und an Kräften zehrenden Gärung nun etwas ausruhen. Schlummert hier vielleicht Potential für die Zukunft?

Wir werden im Frühjahr nachkosten, dann wissen wir mehr.

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Riesling Großes Gewächst „Stromberg“ 2013: (Fassprobe)

Ein Wein, genauso wie die Lage und der Boden wo er gedeiht. Karge felsige sehr steile Böden vulkanischen Ursprungs, Reben die über 60ig Jahre alt und großteils noch wurzelecht sind und eine Landschaft wo die Flurbereinigung aufgrund des unter Schutz gestellten Gebietes nicht gemacht wurde, dies sind die Eigenschaften die dieser Rebensaft einem als Visitenkarte in die Hand drückt.  Ruppig, sehr drahtig und fast unter Strom stehend, so zeigt sich dieser Jungwein. Tief, leicht taninbetont und doch so saftig dass die Zunge im Abgang gerne ins Schnalzen kommt, dies habe ich mir bei dieser Probe notiert.

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Riesling Großes Gewächs „Felseneck“ 2013: (Fassprobe)

Welch eine Wohltat für Nase und Gaumen. Nach dem Sromberg kommt hier ein echter Schmeichler des Weges. Blauer Schiefer dieser Lage, verleihen diesem Jungwein bereits jetzt schon eine  ausgeprägte, saftige und animierende Trinkfreude. Wunderbare Länge mit einer fast fliegenden Mineralik, die von einer samtigen Frucht getragen wird, geben diesem Wein Charme und Finesse. Schlummert hier wieder ein unvergesslicher Felseneck, dem einige Verkoster der schreibenden Zunft 20/20 gegeben haben?

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