Allgemein, Verkostungen

VITE 2017

Nach intensiver, getaner Arbeit und nach einiger Zeit zum Nachdenken, erwacht ein Verlangen,  ein paar Gedanken über das Weinfest am 12. Juni 2017 zu Papier zu bringen.

Die VITE 2017, unsere zum 3. Mal organisierte große Weinprobe hat sich, wie ich mit zunehmendem zeitlichen Abstand immer intensiver den Eindruck habe, von ihrer besten Seite gezeigt.

Dass von 40 Gastwinzern einschließlich Zalto, Reisetbauer und gar einige Freunde aus der Weinwelt Italiens , bis auf zwei,  alle persönlich die Weine an die ca. 400 Gäste und Kunden servierten, wirkt auf alle, die sich an der Organisation dieser Veranstaltung mit aller Kraft beteiligt haben, intensiv und erfüllt mit Genugtuung und Freude.

Ich erinnere mich, wie unkompliziert wir uns mit Herrn Michael Goess – Graf Enzenberg über den wunderschönen Ansitz Jöchelsthurn mit dem herrlichen Garten im Zentrum von Sterzing als Veranstaltungsort, einigen konnten. Dafür nochmals aufrichten Dank dem Besitzer und seinen Mitarbeitern, die uns unermüdlich zur Seite gestanden sind.

Ich erinnere mich  mit Freude daran wie spontan und ohne Nachdenkpause alle Winzer sofort zusagten und die Strapazen der langen Anreisen nicht scheuten.

Ich freute und freue mich ganz besonders darüber, wie sich in der Planungsphase die ganze Mannschaft des Pretzhofes mit Begeisterung in dieses Projekt stürzte, allen voran meine Familie und meine Frau Ulli.

Ich freute mich ganz besonders, als jene Partner und jene Stammlieferanten, die uns schon jahrzehntelang begleiten, auch diese Herausforderung, die für alle kräftezehrend und  oft mühsam war, ohne jeglichen Zweifel annahmen und zu jeder Uhrzeit ihre Dienste und Arbeit mit großer Professionalität und Begeisterung in die Hand nahmen.

Dies alles war notwendig, waren wir doch in einem Schloss zu Gast, das schöner nicht hätte sein können und das wir als leerstehenden Ansitz aus einem jahrelangen Tiefschlaf holten.

Jetzt in Ruhe und im Nachhinein betrachtet, gelang es uns, ein ganz großes Fest der besonderen Weine, der ganz besonderen Persönlichkeiten, die hinter diesen Weinen stehen und hoffentlich einen nachhaltigen, unvergesslichen Tag für unsere Kunden und Gäste zu organisieren.

Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, dass diese Veranstaltung unseren ganz persönlichen Weinstil, der sich über Jahrzehnte nach unzähligen Weinreisen und nach unvergesslichen Weinerlebnissen bei ganz besonderen Menschen in ihren Weinkellern und in ihren Weinbergen  entwickelt hat, zeigen soll, so wie wir ihn mögen und gerne kommunizieren.

Die Komplimente, die wir von Ihnen, liebe Gäste und Kunden, aber auch von den teilnehmenden Winzern nach Abschluss dieses Tages im  Ansitz Jöchelsthurn erhalten haben, lassen uns dieses Ziel als  erreicht einordnen.

Dafür bedanken wir uns bei allen, die uns an diesem Tag aus Nah und Fern besucht haben, ganz herzlich.

Alle Bilder gibts hier

 

 

 

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Verkostungen, Weinreisen

Weinjahr Österreich 2013

2013 hat in jenen Weinbaugebieten, die ich letzthin bereiste, eines gemeinsam: Es ist ein spannendes und aufregendes Jahr.

Alle Winzer erzählten über die gleichen Herausforderungen und auch über die gleichen Sorgen.

Auf einen sehr langen und kalten Winter folgte ein stark verregnetes Frühjahr. Eine nicht optimal verlaufende Blüte war ein Grund dafür, dass die Ernte wesentlich geringer ausfiel als in normalen Jahren. Zudem brachte eine Hitzewelle im Juni eine von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich stark auftretende Verrieselung der Trauben mit sich. Ein extrem heißer Sommer mit Höchstwerten bis knapp um die 40 ° C im Gebiet um Loiben setzte vor allem dem Grünen Veltliner nochmals stark zu.

Auf diese Klimakapriolen folgte ein „Goldener Herbst“ mit ausgeprägten Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Dies und eine vom Wetter stark unterstützte Lese brachte dann doch noch in fast allen Gebieten eine gute, bei manchen Winzern auch außergewöhnliche Qualität.

Jene Trauben, die in guten Lagen reifen durften und aufgrund der Bodenbeschaffenheit auch ein Mindestmaß an Feuchtigkeit bekamen, konnten den hochsommerlichen Hitzestress gut verkraften.

Andererseits merkt man auch die Probleme dieses Jahrgangs. In Gebieten, wo die Rebe wirklich in Hitze- und Trockenstress kam, zeigen sich die Weine oft bitter und zehrend. Die Frucht ist oft stark im Hintergrund, wenig Harmonie macht die Weine kantig und wenig trinkfreudig.

Es ist sehr erfreulich, dass die Alkoholgradation sich langsam wieder an jene Werte, die wir vor ca. zehn Jahren hatten, anzunähern scheint.

Bei gar einigen Winzerfamilien ist ein Generationswechsel im Gange oder schon vollzogen. Gerade diese jungen und sehr sympathischen Winzersöhne haben erkannt, dass bei großen Weißweinen gerade die richtige „Dosis“ aller Komponenten, somit auch des Alkohols, ein unabkömmlicher Bestandteil für Harmonie, Lagerfähigkeit und Trinkfreude für Jahrzehnte ist.

Andere Probleme und Sorgen gab es beim Riesling. Hier waren sicherlich die hohen und mehr als knackigen Säurewerte sowie der Befall der Trauben mit Botrytis eine große Herausforderung.

Trotz all dieser wirklich schwierigen Aufgaben gelang es einigen Produzenten wunderbare Rieslinge auf die Flasche zu bringen. Auch bei dieser Rebsorte ist der moderate Alkoholgehalt für unsere Gaumen wie Balsam. Einige Rieslinge in „Smaragd“ Qualität werden mit den ganz großen Jahrgängen der letzten 25 Jahre mithalten können.
Die Verkostungen während dieser Reise in die österreichischen Weinbaugebiete lassen sicherlich auch Spitzenweine erwarten, die an legendäre Jahrgänge wie 1999 oder auch 2006 anschließen könnten.

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Weinreisen

Weingut Schäfer – Fröhlich

Tim Fröhlich

Tim Fröhlich

Tim Fröhlich vermittelt von Anfang an den Eindruck großer Selbstsicherheit. Ruhig und gelassen wird man als Verkoster in eine hochinteressante und faszinierende Weinwelt geführt.

Mir kam fast so vor, als ginge man einen geologischen Weg durch eines der spannendsten Weinbaugebiete Deutschlands. Die Nahe ist wirklich einzigartig. Dieses kleine Weinbaugebiet, mit seinen ganz speziellen Lagen, gibt dem Riesling so viel Charakter und verschiedene Gesichter, wie es sonst nur ganz wenige Lagen vermögen.

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Gutsriesling 2013 (Fassprobe)

Schon dieser Einstiegswein ist mehr wie eine Visitenkarte. Nicht zu wuchtig, aber auch nicht klein, sehr ausgewogen und wunderbar saftig, im Abgang ein typisches aber nicht vordergründiges Rieslingfinale, so  zeigt sich dieser 2013er. Bereits hier merkt man, dass in einer als schwierig definierten Ernte man doch einiges finden kann das wirklich Freude macht.

Vulkangestein

Vulkangestein

Riesling vom Vulkangestein 2013: (Fassprobe)

Ein Riesling feinster Gliederung. Sehr komplex, seine zarte Frucht erinnert an frisches Obst, im Hintergrund schöne Exotik  spürbar.

Animierend und sehr trinkfreudig. Wunderbarer Begleiter, in keinem Moment aufdringlich.

Riesling vom Schiefergestein 2013

Dieser  Wein wurde in  einer wunderbaren fast 70 % steilen Südlage aus Bockenau gelesen. Hoher Schieferanteil im Boden, gibt diesem Wein den cremigen, ja fast an Bergkräuter erinnernden Charakter. Welch ein Unterschied zum Riesling vom Vulkangestein, obwohl dahinter dieselbe Hand und dieselbe Leidenschaft eines Winzers steht. Böden so zu zeigen, kann in einem so ausgeprägtem Masse eben nur Riesling. Feinheit, eine auf Mineralik gebettete Frucht und eine samtige ausgewogene aber präsente Säure dominieren den Abgang.

Roter Schiefer und Quarzit

Roter Schiefer und Quarzit

Riesling Großes Gewächs „Frühlingsplätzchen“ 2013 (Fassprobe)

Natürlich ist dieser Wein noch reduktiv. Aber hier spürt man nun wirklich diese Mineralik, die zu beschreiben es gar nicht immer einfach ist. Salzigkeit und eine kräutrige Würze im Ansatz, nach längerem schwenken, in einem wunderbaren Zalto Glas, nimmt der Duft nach reifer Grapefruit und dezenter Exotik konstant zu. Kraftvoll, lang und trotzdem leicht, zeigt sich ein gerne genommener zweiter Schluck.

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Riesling Großes Gewächs „Felsenberg“ 2013: (Fassprobe)

Porphyr und Feuerstein dominieren den Boden wo die Reben des Felsenecks wurzeln. Das erste mal kommt Ruhe und schweigen unter den anwesenden Verkostern auf. Fällt dieser Wein ein wenig aus der Reihe? Auf jeden Fall zeigt er sich heute etwas ermüdet. Vielleicht will er sich nach einer langen und an Kräften zehrenden Gärung nun etwas ausruhen. Schlummert hier vielleicht Potential für die Zukunft?

Wir werden im Frühjahr nachkosten, dann wissen wir mehr.

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Riesling Großes Gewächst „Stromberg“ 2013: (Fassprobe)

Ein Wein, genauso wie die Lage und der Boden wo er gedeiht. Karge felsige sehr steile Böden vulkanischen Ursprungs, Reben die über 60ig Jahre alt und großteils noch wurzelecht sind und eine Landschaft wo die Flurbereinigung aufgrund des unter Schutz gestellten Gebietes nicht gemacht wurde, dies sind die Eigenschaften die dieser Rebensaft einem als Visitenkarte in die Hand drückt.  Ruppig, sehr drahtig und fast unter Strom stehend, so zeigt sich dieser Jungwein. Tief, leicht taninbetont und doch so saftig dass die Zunge im Abgang gerne ins Schnalzen kommt, dies habe ich mir bei dieser Probe notiert.

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Riesling Großes Gewächs „Felseneck“ 2013: (Fassprobe)

Welch eine Wohltat für Nase und Gaumen. Nach dem Sromberg kommt hier ein echter Schmeichler des Weges. Blauer Schiefer dieser Lage, verleihen diesem Jungwein bereits jetzt schon eine  ausgeprägte, saftige und animierende Trinkfreude. Wunderbare Länge mit einer fast fliegenden Mineralik, die von einer samtigen Frucht getragen wird, geben diesem Wein Charme und Finesse. Schlummert hier wieder ein unvergesslicher Felseneck, dem einige Verkoster der schreibenden Zunft 20/20 gegeben haben?

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