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Miani

Enzo Pontoni, der Besitzer vom Weingut Miani in Buttrio, ganz in der Nähe von Udine, macht den Eindruck eines wirklich urigen, von harter Arbeit geprägten Mannes. Seine Haut ist von Sonne und Wind dunkel gegerbt, seine Hände zeigen was harte Winzerarbeit wirklich ist. Sie gleichen einer alten, von Wind und Wetter zerfressenen Rebe.

Wir kamen an, seine Mutter Edda Miani (80 Jahr alt) begrüßte uns herzlich, ein kurzes Gespräch ließ die Zeit bis zum Eintreffen des Winzers wie im Fluge vergehen. Enzo fuhr nun mit seinem Fiat Punto vor, ein Auto, genauso wie der Winzer: Von den vielen Querfeldeinfahrten in den Weinbergen gezeichnet, von den Sitzen ist nicht mehr viel geblieben, ein paar Drähte schauen von der arg zugerichteten Polsterung hervor, der Auspuff streift über Stock und Stein, aber es fährt.

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Dieser erste Eindruck zeigt, wie in diesem Weingut, das ich bereits vor 30 Jahren, damals mit meiner Frau besuchte, die Uhren ticken. Alles wird der Arbeit im Weinberg, ob am Boden oder an den Reben, untergeordnet.

Spartanisch und funktionell ist der Keller. Trotz der 22 ha Weinberge, die Enzo bewirtschaftet, ist alles sehr klein und überschaubar. Seine Lagen befinden sich ausschließlich im Gebiet der „Colli Orientali del Friuli“, die Böden sind alle stark von Ton und Mergel geprägt. Dies hat zur Folge, dass vor allem die jungen Anlagen jährlich mit Rindermist und Humus gedüngt werden müssen, um dem geologisch sehr jungen Gebiet (80.000 Jahre alt) jene Ausgewogenheit zu geben, die die Rebe für hervorragende Qualitäten braucht.

Er legt großen Wert auf geringe, aber trotzdem ausgewogene Erträge. Bei den Rotweinen sind je Stock 3 lockerbeerige Trauben der Idealfall, bei den Weißweinen eine Kleinigkeit mehr. Ausgedünnt wird sehr spät, auf Behandlungen mit Kupfer und Schwefel wird ab den Monaten, wo die Trauben färben, verzichtet. Enzo ist zutiefst überzeugt, dass auf den Schalen haftende Reste von diesen beiden Substanzen, die mit dem Lesegut in den Keller gebracht werden könnten, dem Charakter der Weine großen Schaden zufügen könnten. Für mich wieder eine neue These, die ich so noch von keinem Winzer gehört hatte.

Als er erzählte, dass der nun kurz vor der Ernte stehende Jahrgang 2015 mit guten Mengen aufwarten könne, die Qualitäten, die er erwarte gut seien, aber nicht mehr, dachte ich an einen Ertrag von vielleicht 50 bis 60 tausend Flaschen. Weit gefehlt, wenn alles ganz gut geht, dann werden heuer nach längerer Zeit wieder etwas mehr als 20.000 Flaschen gefüllt werden.

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Wir fuhren in die Lagen. Il Corno di Rosazzo, ein Steilhang, wo die Reben auf Terrassen stehen: Welch ein Ausblick! Die Höhe von fast 300 M. ü.d.M. erlaubt einen 380° Blick über den ganzen Collio und die Colli Orientali. Die Nähe der Staatsgrenze zu Slowenien zeigt, dass eigentlich ein Großteil der Weinberge des berühmten Collio in Slowenien liegt.

Filip, ein mit sehr alten Merlot Reben sowie mit ganz alten Tocai Stöcken bepflanzter kleinerer Weinberg, zeigt noch die Mischkultur in dieser Gegend, als man in den Weinbergen auch noch Obst, Sträucher und Gemüse pflanzte. Wir kosteten die Trauben, die der Winzer in ca. 3 Wochen holen möchte. Welch eine Süße, man merkte schon an den frischen Trauben die Vielschichtigkeit und die Noblesse dieses Obstes.

Nun zur Probe.

Im Keller hat Enzo ein kleines „Verließ“, wo die privaten Reserven und jene Flaschen liegen, die eben bei Proben mit Freunden geöffnet werden. Da in diesem Weingut nie Zeit für Besucher ist, war es für uns ein Privileg, einen Abend mit diesem bescheidenen und sehr ausdruckstarken Mann zu verbringen. Einige dieser Raritäten nahm er nun mit hoch in seine Garage, wo wir auf gestapelten Holzbrettern einen Tisch zusammenbauten und uns zur Probe, begleitet von einer zünftigen Jause, hinsetzten.

Los ging’s mit dem Sauvignon Saurint 2003 aus der Magnum. Ein wuchtiger Start, der Wein zeigte die Hitze dieses Sommers aber auch den damals noch stärkeren Einsatz neuer Hölzer. Ein guter Wein, überhaupt nicht müde, im Gegenteil, kräftig und dominant, aber nicht holprig.

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Jetzt wurde die Ribolla 2006 geöffnet. Wieder eine Magnum. Nun zeigten sich die Perfektion und die ganze Erfahrung eines qualitätsbesessenen Winzers. Welch ein Wein! Schillernde Klarheit, ja fast brillant und graziös zeigte sich dieser Wein. Mit dieser Rebe, die nicht das Lieblingskind des Herrn Pontoni ist, begann unsere Reise in eine ganz spezielle, in dieser Art noch selten erlebte Welt besonderer Weine.

Nun entkorkte Herr Pontoni eine Ribolla aus dem Jahre 1993. Natürlich hatte dieser über 20 Jahre alte Wein gar einige ergraute Haare, je länger er im Glas war, umso interessanter und komplexer wurde er im Duft und im Trunk. Während die anderen über diesen Wein in eine lange Diskussion gerieten, trank ich mit Freude mein Glas aus. Es wird mir als eine besondere Rarität in Erinnerung bleiben.

Jetzt wurden drei Weine aus dem für dieses Weingut sehr guten Jahrgang 2009 geöffnet. Alles Magnum: Sauvignon Saurint, Sauvignon Banel und Chardonnay Baracca.

Nun wurde es richtig verständlich, warum die Weine dieses Weingutes so oft als Maßstab für alle anderen Weißweine in Italien hergenommen werden.

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Ein großer Jahrgang zeigt, was in dieser Gegend wirklich möglich ist: Weine, die man gar nicht so einfach beschreiben kann, Genuss und Trinkfreude in schierer Perfektion vereint.

Zwei Rotweine wurden uns noch gezeigt. Zum einen ein Rosso Miani aus dem Jahre 2007 und ein vor kurzem gefüllter Merlot aus der Lage Filip, Jahrgang 2012.

Ich freue mich richtig, den Merlot im November kaufen zu dürfen. Er wird in meinem Keller in jenes Fach kommen, wo die Weine liegen, mit deren Winzern mich ein besonderes Verhältnis verbindet.

Leider ist der Rosso Miani 2007 bei uns schon ausgetrunken worden, bei der Probe merkte ich, dass dieser kleinste Wein des Weingutes leider viel zu früh angeboten wurde.

Vielen Dank einem tollen Winzer für die gewidmete Zeit!

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