Verkostungen

Unverhofft kommt oft

Manchmal passieren Dinge, die man so gar nicht planen kann. 2 Freunde waren auf Besuch, eigentlich wollten wir es bei einer Flasche Champagner belassen. So starteten wir sozusagen als Begrüßung  mit dem 2002er Brut Nature Millesime von J. Lasagne. Welch ein Wein. Knochentrocken, saftig, eine bestechende Leichtigkeit, sehr rund, der Abgang dominiert von einer ausgeprägten Mineralik und von einer ganz feinen kräutrigen Würze. Sehr einladend.

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Es gab die ersten Spargel, roh und gekocht. Wir holten eine Flasche Mersault 2005 Chevalier von Remy Jobard. Ich war gespannt, wie dieser Wein, der in seiner Jugend doch einen markanten Holzeinsatz zeigte sich entwickelt hatte. Wir waren überrascht, dieser Chardonnay zeigte sich nach wie vor als sehr frischer und einladender Begleiter zum rohen Spargel aus Bassano. Holz war vor allem im Gaumen aber weniger in der Nase spürbar. In keiner Weise mehr dominant oder störend. Etwas mehr Körper  könnte er gut gebrauchen. Auch im Abgang wünschte ich mir mehr Druck und mehr Tiefe. 2005 war doch ein sehr guter Jahrgang.  Trotzdem gebe ich diesem Wein noch mindestens ein Jahrzehnt, um seine ganzen Eigenschaften zu definieren und ich bin mir sicher, dass dieser Wein erst jetzt in die Phase kommt, wo er anfängt seine Herkunft und die Rebe gut zu definieren.

Nun gingen die Gedanken an eine Flasche Rotwein, hörte man doch schon die Rückensteaks von einem unserer Almochsen in der Pfanne brutzeln. Charmes Chambertin 2009 Grand Cru von der Domaine Humbert Freres aus Gevrey Chambertin.  Dies so dachte ich könnte die richtige  Wahl für diesen Abend sein. Sofort schenkte ich einen nicht allzu großen Schluck in die Burgunder Kelche von Zalto, um diesem Anfangs verhaltenen Wein eine möglichst große Oberfläche für eine schnelle Öffnung zu bieten. Das erste Mal mit dem Glas zur Nase, meine Gedanken erinnerten mich fast an ein geheimnisvolles Märchen, schwer zu definieren, was da noch alles versteckt war. Welch eine Harmonie. Welch eine Tiefe. Mit Leichtigkeit, fast so wie ein souveräner Schiedsrichter bei einem Fußballspiel regelte er die Geschmackssymphonie in allen Momenten der Verkostung. Zu jung, noch etwas ruppig, ja vielleicht sogar etwas wild, aber trotzdem ein wirklicher Begleiter mit Anstand und Bildung. So behalte ich diesen Burgunder in Erinnerung.

Es war noch nicht spät, die Gläser am Tisch waren alle leer, auf keinen Fall wollten wir unsere Gäste so sitzen lassen und es stellte sich die Frage, was sollte man noch trinken. Lange schon wollte ich einen 2010er Bordeaux probieren, hatte dieser Jahrgang doch so viel Furore, bereits in seiner Phase der Subskription gemacht. La Dame de Montrose 2010 wurde entkorkt. Nicht einfach, anfangs dachte ich mir es war der falsche Griff. Verhalten, sehr markante Tannine, die sich nie staubig zeigten aber  wenig Frucht, ja fast abweisend kam er daher. Der erste Schluck nach diesem eleganten Burgunder tat fast weh, aber  welch eine Freude, nach langem ruhigem und konzentriertem Warten, bahnte sich ein wunderbarer Abgang an. Ein wirklicher Gigant war da in unseren Gläsern. Viel zu jung, das wissen wir ja, aber trotzdem wollte ich diesen Wein in seiner Jugend einmal genossen haben. Mir tat dies auch nicht leid. Von Schluck zu Schuck erfreute dieses außergewöhnliche Gewächs aus einem wirklich großen Jahrgang unsere Kehlen. Welch eine Freude in diesen Jahrgang und in die Weine dieses Chateaus investiert zu haben.

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Ein toller Abend mit wirklichem Trinkgenuss ging zu Ende, nichts war so geplant und trotzdem bleibt mir der Genuss dieser vier beschriebenen Weine gemeinsam mit netten Menschen in Erinnerung.

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