Verkostungen

Schlüsselübergabe im Hause Zilliken

zilliDer 24 und 25 Juni 2016, ein wunderbarer warmer Sommertag, wird in die Chronik des Weingutes Zilliken in Saarburg als historisch in Erinnerung bleiben. Hanno Zilliken übergibt die Schlüssel seines Traditionsweingutes  an seine Tochter Dorothee und öffnet mit dieser seiner Entscheidung ein neues Kapitel in einem Betrieb, der zu den renommiertesten  an der Saar, ja vielleicht in ganz Deutschland gehört. Leider ist  seit kurzem  dieses kleine Weinbaugebiet in den Begriff  Mosel eingegliedert worden. Dass die Saarwinzer und natürlich auch die Familie Zilliken mit dieser von oben verabreichten Verordnung nicht glücklich sind, wurde mehrmals kundgetan.  Die historische Unterscheidung der Mosel, die über sehr lange Zeit als Mosel-Saar-Ruwer allen Weinfreunden geläufig war, wäre im Weingut Zilliken viel spezifischer, zählt dieser Betrieb mit jenem von Egon Müller doch zu den besten Interpreten der Saar.

Ich brauchte einige Tage um all jenes einzuordnen, dem ich an diesen zwei Junitagen beiwohnen durfte. Vor allem war ich beeindruckt, in welcher Art und Weise  die Familie Zilliken diesen historischen Wechsel der Generationen zelebrierte. Ich war  tief beeindruckt, meine Gedanken schweiften in die Zukunft, welchen Weg wird dieses Weingut von nun an und mit einer jungen äußerst sympathischen Winzerin an der Spitze wohl einschlagen.

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Mit Hanno Zilliken, einem  resoluten und  charismatischen Winzer, auf dessen Persönlichkeit dieses Weingut nach Innen sowie auch nach Außen aufgebaut und zu Weltruhm gebracht wurde, geht von jetzt an in die zweite Reihe. Diese seine Entscheidung verlangt Respekt und Weitsicht.   Je mehr Tage vergehen, umso schärfer werden die Bilder die ich mit nach Hause genommen habe, umso besser wird mir bewusst, an welch wichtigem Ereignis ich teilnehmen durfte.

Diese Feier, war nicht ein simples Fest, sonders es war vor allem die  gepflegte Zeremonie einer Hofübergabe mit zwei perfekten Darstellern, denen diese zwei Tage gewidmet wurden und die sich beide in wunderbarer Harmonie ergänzten. Zum einen wurde die Historie  des Gutes dem Gast in einer dezenten Art und Weise in Erinnerung gebracht, zum anderen wurde mit Stolz und  Freude der Anfang einer neuen Ära eingeleitet.

Jedem Besucher standen 2 Gläser zur Verfügung,  jenes auf der rechten Seite für die Probe, jenes das links positioniert  wurde gab den eingeschenkten Weinen Zeit und dem Verkoster die Möglichkeit die Entwicklung des Weines zu beobachten. 28 Gäste aus aller Welt bekamen eine kleine Broschüre in der alle 24 zu verkostenden Weine angeführt waren. Es wurden immer Miniflights mit je 4 Weinen eingeschenkt, ich hatte den Eindruck, dass kein logisches Muster der Auswahl der Weine zugrunde lag. Ich merkte aber sofort, dass Hanno die Sequenz so gewählt hatte, dass die Jahrgänge der gezeigten Weine, die Geschichte dieses Gutes zu Leben erweckte.   Wunderbare Erzählungen von Hanno begleiteten diese Probe, ich fühlte mich fast wie ein mitspielender Akteur der Erlebnisse des Winzers. Über sich selbst verlor Hr. Zilliken in keinem Satz und in keinem Zusammenhang  ein Wort.

Der 24. Juni ist auch der Tag von Hannos Vater. Mit einer feinsten  Auslese aus dem Jahrgang 1961, die die Handschrift von Dorothes Großvater trägt, wird einer weiter herausragenden Persönlichkeit dieses Weingutes Tribut gezollt. Um die Zukunft dieses Weingutes zu zelebrieren, wird uns nochmals die Vergangenheit mit einem großartigen Wein in Erinnerung gerufen.

Der 25. Juni ist dann der Tag von Tochter und Jungwinzerin Dorothee, ein Tag den sie mit ihren Gästen in einer historischen Glockengießerei in Saarburg beginnt. Man dachte ein zufällig ausgewählter Betrieb. Ziel und Zweck war es aber, uns dort  das feine Handwerk das zur Herstellung einer Glocke notwendig ist, wunderbar zu zeigen. Mir wurde bewusst, wie verbunden diese Familie und deren Tun mit der Geschichte und den Traditionen dieses kleinen Weinbaugebietes sind.

Als nächstes Highlight dieses Tages war ein Besuch im Saarburger Rausch an der Tagesordnung. Ein Muss, das sich alle Anwesenden erhofft und auch erwartet hatten. Diese weltbekannte Parzelle „Rausch“  ist  eine  einzigartige Lage. Diese Einzigartigkeit verdankt dieser sehr steile Weinberg seiner besonderen geologischen Beschaffenheit. Grüner Basalt und grauer Schiefer sind die dominierenden Gesteinsarten des Bodens.

Ein sich leicht drehender Hang, mit einer perfekten Ausrichtung von Süd-West, bis Süd-Ost, ideal für Reben, die teils auf Drahtrahmen aber teils am Stock wunderbar gedeihen können. Keine Frage, ausschließlich Riesling.

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Das Fest endet, so wie es angefangen hat, im Weingut. Heute allerdings mit Dorothee der jungen charismatischen Winzerin im Mittelpunkt. Sie zelebriert diese Hofübergabe mit einer wunderbaren Ansprache die gespickt war von viel Ironie und die nur so strahlte von Freude und Zuversicht. Viel Erfahrung und Intelligenz steckten in diesen von ihr vorgetragenen Geschichten, die teils erzählerisch und dann wieder sehr entschieden und resolut  ankamen.

Dorothee zeigte wie immer bei ihren Auftritten vor Menschen ihre große Sympathie und Menschlichkeit, dies sollte uns aber nicht täuschen, sie kann auch sehr ernst und entschieden, genauso wie ihr Vater – einen Mantel aus Seide aber bei Bedarf eine Seele aus Stahl.

Wir alle lieben und liebten die Weine vom Weingut Zilliken aus den Händen von Hanno, wir werden auch jene mit der Handschrift von Dorothee lieben. Keiner darf sich erwarten, dass die künftigen Weine, wie jene vergangener Jahre sein werden. Dies wäre auch nicht richtig, es steht ja ab nun eine ganz andere Persönlichkeit dahinter, die ihre Gefühle und ihre Gedanken in die künftigen Gewächse mit einfliesen lassen wird. Der drang zum exzellenten, zum außergewöhnlichen wird auch die Arbeit von Dorothee prägen.

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Sie lieber Leser werden sich nun erwarten, dass ich eine Liste mit meinen bevorzugten Weinen dieser unvergesslichen Probe niederschreibe. Dem werde ich mit diesen Zeilen nicht gerecht. Am  24 und 25 Juni 2016 hatte ich das Glück und die Ehre, Zeuge eines historischen Events zu sein. Für jemanden wie mich, der für den Wein und seine Menschen ganz große Leidenschaft empfindet, war es viel mehr wie eine Verkostung. Es war eine Probe, die mich die Geschichte eines Betriebes und einer Familie von mehr als einem halben Jahrhundert fast so wie selbst erlebt, mitlesen  lies.

Ich danke der Familie Zilliken für die Einladung und für die Entschlossenheit, wie sie ihre Rolle als Zeugen und Hauptakteure in perfekter Weise vorgetragen haben.

 

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