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Schlüsselübergabe im Hause Zilliken

zilliDer 24 und 25 Juni 2016, ein wunderbarer warmer Sommertag, wird in die Chronik des Weingutes Zilliken in Saarburg als historisch in Erinnerung bleiben. Hanno Zilliken übergibt die Schlüssel seines Traditionsweingutes  an seine Tochter Dorothee und öffnet mit dieser seiner Entscheidung ein neues Kapitel in einem Betrieb, der zu den renommiertesten  an der Saar, ja vielleicht in ganz Deutschland gehört. Leider ist  seit kurzem  dieses kleine Weinbaugebiet in den Begriff  Mosel eingegliedert worden. Dass die Saarwinzer und natürlich auch die Familie Zilliken mit dieser von oben verabreichten Verordnung nicht glücklich sind, wurde mehrmals kundgetan.  Die historische Unterscheidung der Mosel, die über sehr lange Zeit als Mosel-Saar-Ruwer allen Weinfreunden geläufig war, wäre im Weingut Zilliken viel spezifischer, zählt dieser Betrieb mit jenem von Egon Müller doch zu den besten Interpreten der Saar.

Ich brauchte einige Tage um all jenes einzuordnen, dem ich an diesen zwei Junitagen beiwohnen durfte. Vor allem war ich beeindruckt, in welcher Art und Weise  die Familie Zilliken diesen historischen Wechsel der Generationen zelebrierte. Ich war  tief beeindruckt, meine Gedanken schweiften in die Zukunft, welchen Weg wird dieses Weingut von nun an und mit einer jungen äußerst sympathischen Winzerin an der Spitze wohl einschlagen.

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Mit Hanno Zilliken, einem  resoluten und  charismatischen Winzer, auf dessen Persönlichkeit dieses Weingut nach Innen sowie auch nach Außen aufgebaut und zu Weltruhm gebracht wurde, geht von jetzt an in die zweite Reihe. Diese seine Entscheidung verlangt Respekt und Weitsicht.   Je mehr Tage vergehen, umso schärfer werden die Bilder die ich mit nach Hause genommen habe, umso besser wird mir bewusst, an welch wichtigem Ereignis ich teilnehmen durfte.

Diese Feier, war nicht ein simples Fest, sonders es war vor allem die  gepflegte Zeremonie einer Hofübergabe mit zwei perfekten Darstellern, denen diese zwei Tage gewidmet wurden und die sich beide in wunderbarer Harmonie ergänzten. Zum einen wurde die Historie  des Gutes dem Gast in einer dezenten Art und Weise in Erinnerung gebracht, zum anderen wurde mit Stolz und  Freude der Anfang einer neuen Ära eingeleitet.

Jedem Besucher standen 2 Gläser zur Verfügung,  jenes auf der rechten Seite für die Probe, jenes das links positioniert  wurde gab den eingeschenkten Weinen Zeit und dem Verkoster die Möglichkeit die Entwicklung des Weines zu beobachten. 28 Gäste aus aller Welt bekamen eine kleine Broschüre in der alle 24 zu verkostenden Weine angeführt waren. Es wurden immer Miniflights mit je 4 Weinen eingeschenkt, ich hatte den Eindruck, dass kein logisches Muster der Auswahl der Weine zugrunde lag. Ich merkte aber sofort, dass Hanno die Sequenz so gewählt hatte, dass die Jahrgänge der gezeigten Weine, die Geschichte dieses Gutes zu Leben erweckte.   Wunderbare Erzählungen von Hanno begleiteten diese Probe, ich fühlte mich fast wie ein mitspielender Akteur der Erlebnisse des Winzers. Über sich selbst verlor Hr. Zilliken in keinem Satz und in keinem Zusammenhang  ein Wort.

Der 24. Juni ist auch der Tag von Hannos Vater. Mit einer feinsten  Auslese aus dem Jahrgang 1961, die die Handschrift von Dorothes Großvater trägt, wird einer weiter herausragenden Persönlichkeit dieses Weingutes Tribut gezollt. Um die Zukunft dieses Weingutes zu zelebrieren, wird uns nochmals die Vergangenheit mit einem großartigen Wein in Erinnerung gerufen.

Der 25. Juni ist dann der Tag von Tochter und Jungwinzerin Dorothee, ein Tag den sie mit ihren Gästen in einer historischen Glockengießerei in Saarburg beginnt. Man dachte ein zufällig ausgewählter Betrieb. Ziel und Zweck war es aber, uns dort  das feine Handwerk das zur Herstellung einer Glocke notwendig ist, wunderbar zu zeigen. Mir wurde bewusst, wie verbunden diese Familie und deren Tun mit der Geschichte und den Traditionen dieses kleinen Weinbaugebietes sind.

Als nächstes Highlight dieses Tages war ein Besuch im Saarburger Rausch an der Tagesordnung. Ein Muss, das sich alle Anwesenden erhofft und auch erwartet hatten. Diese weltbekannte Parzelle „Rausch“  ist  eine  einzigartige Lage. Diese Einzigartigkeit verdankt dieser sehr steile Weinberg seiner besonderen geologischen Beschaffenheit. Grüner Basalt und grauer Schiefer sind die dominierenden Gesteinsarten des Bodens.

Ein sich leicht drehender Hang, mit einer perfekten Ausrichtung von Süd-West, bis Süd-Ost, ideal für Reben, die teils auf Drahtrahmen aber teils am Stock wunderbar gedeihen können. Keine Frage, ausschließlich Riesling.

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Das Fest endet, so wie es angefangen hat, im Weingut. Heute allerdings mit Dorothee der jungen charismatischen Winzerin im Mittelpunkt. Sie zelebriert diese Hofübergabe mit einer wunderbaren Ansprache die gespickt war von viel Ironie und die nur so strahlte von Freude und Zuversicht. Viel Erfahrung und Intelligenz steckten in diesen von ihr vorgetragenen Geschichten, die teils erzählerisch und dann wieder sehr entschieden und resolut  ankamen.

Dorothee zeigte wie immer bei ihren Auftritten vor Menschen ihre große Sympathie und Menschlichkeit, dies sollte uns aber nicht täuschen, sie kann auch sehr ernst und entschieden, genauso wie ihr Vater – einen Mantel aus Seide aber bei Bedarf eine Seele aus Stahl.

Wir alle lieben und liebten die Weine vom Weingut Zilliken aus den Händen von Hanno, wir werden auch jene mit der Handschrift von Dorothee lieben. Keiner darf sich erwarten, dass die künftigen Weine, wie jene vergangener Jahre sein werden. Dies wäre auch nicht richtig, es steht ja ab nun eine ganz andere Persönlichkeit dahinter, die ihre Gefühle und ihre Gedanken in die künftigen Gewächse mit einfliesen lassen wird. Der drang zum exzellenten, zum außergewöhnlichen wird auch die Arbeit von Dorothee prägen.

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Sie lieber Leser werden sich nun erwarten, dass ich eine Liste mit meinen bevorzugten Weinen dieser unvergesslichen Probe niederschreibe. Dem werde ich mit diesen Zeilen nicht gerecht. Am  24 und 25 Juni 2016 hatte ich das Glück und die Ehre, Zeuge eines historischen Events zu sein. Für jemanden wie mich, der für den Wein und seine Menschen ganz große Leidenschaft empfindet, war es viel mehr wie eine Verkostung. Es war eine Probe, die mich die Geschichte eines Betriebes und einer Familie von mehr als einem halben Jahrhundert fast so wie selbst erlebt, mitlesen  lies.

Ich danke der Familie Zilliken für die Einladung und für die Entschlossenheit, wie sie ihre Rolle als Zeugen und Hauptakteure in perfekter Weise vorgetragen haben.

 

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Der VDP lädt zum Besten der Ernte 2015

Gerne fuhr ich auf Einladung der Vereinigung Deutscher Prädikatsweingüter zur Großen Gewächsprobe nach Berlin.

Im Land der Auto- und Maschinenbauer und der Weltmeister im Biertrinken rangiert der Weingenuß sicherlich nicht an erster Stelle. Es ist aber wirklich überraschend, was sich in der deutschen Weissweinwelt (Rieslingwelt) die letzen 10 Jahr getan hat.

Der Jahrgang 2015 wird seit Monaten mehr von der Fachpresse als von den direkt Beteiligten, den Winzern, hoch gelobt. Tatsache ist, dass dieser nun gezeigte Jahrgang gar nicht so unproblematisch war, wie es jetzt geschrieben wird. Bis Mitte August erwarteten sich viele Winzer einen Jahrhundertjahrgang. Nach einem moderaten 2014er waren einige gar schon euphorisch. Ab August aber setzte eine extreme Trockenperiode ein. Dies brachte die Reben stark unter Druck. Mit den ersten Regentagen kurz vor Beginn der Lese sorgte ein lang anhaltendes feuchtes und Nasses Wetter für tiefe Sorgenfalten in den Gesichtern der Weinbauern. Fäulnisdruck verlangte intensivste Arbeit im Weinberg, jene die mit der richtigen Laubarbeit und mit rechtzeitigem Säubern der Trauben die Situation unter Kontrolle behielten, gelang dann wirklich Wunderbares. Andere mussten zuschauen, wie ein Großteil der fast reifen Trauben verfaulte. Einige bekamen Lesestress und holten sich noch jenes was noch zu retten war. Andere Regionen hingegen, wie die Saar oder auch die Nahe waren bevorteiligt und konnten in Ruhe die dann wunderbaren Herbstwochen zuwarten und auf den perfekten Lesezeitpunkt der Trauben warten. Auch Winzer in Problemzonen, die sich trotz des schlechten Wetters nicht zur Lese zwingen ließen, brachten dann zwar viel weniger aber im Endeffekt tollste Qualitäten in den Keller. .

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Ich begann die Probe so wie die Winzer angeordnet waren. Ganz am Anfang der Tische haben uns die Winzer von der Mosel empfangen. Diese Region ist wohl generell, aber speziell im 2015 jene Landschaft, die sich als am meisten bevorteilt bezeichnen kann. Zum einen  hinterlässt der Klimawandel dort ganz oben im Norden wärmere Spuren, zum anderen konnten die Winzer dieser Gegend aufgrund des späten Lesezeitpunktes die schönen, von kräftigen Temperturunterschieden geprägten Herbstwochen ganz ausschöpfen. Dies gab den Weinen ein selten so intensiv und präzise verkostetes Aromenspektrum für lange Jahre mit auf den Weg. Natürlich begeisterten jene Winzer die wir schon lange gerne besuchen, mit ihren Weinen. Clemens Busch zeigte mit einem Riesling vom Marienburger Fahrlay außergewöhnliches. Ganz anders aber nicht weniger spannend sein Wein, dessen Trauben er sehr spät im Falkenlay gelesen hat.

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Theo Haart, der trotz des Wechsel in die Rente, mit seiner Frau Edith am Stand war zeigte eine dunklen, ja fast noch verpackten Riesling aus der GG Lage Goldtropfchen, der für die Mosel mit viel Kraft, aber nie zu dick, und trotzdem fast elektrisierend durch seine an Spannung kaum zu übertreffende Mineralik nur so strotzte. Neu war für mich das GG aus der Lage Grafenberg. Ich  kannte die Rieslinge aus dieser Parzelle, die einen wesentlich höheren Anteil an Schiefer wie jene vom Goldtröpfchen aufweist nur wegen der dort bis dato fruchtigen Weine. Ein guter Jahrgang, sowie  das nun angewachsene Alter der Reben ließen den Winzer  zur Entscheidung kommen, mit dem 2015er erstmals einen trockenen GG auf die Flasche zu bringen. Viel geschmeidiger als Goldtröpfchen, etwas gelber untermauert mit leichter Exotik, im Gaumen fast seidig und ganz fein, messerscharf und präzise der Abgang, ein Wein den ich in diesem Hause so noch nicht kannte. Tolle Arbeit, der ganz spezielle Boden sowie das Mikroklima dieser  kleinen Parzelle war im Glas wunderbar nachzuvollziehen.

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Längere Zeit schon bin ich auf der Suche nach einem Winzer der einen Mehrwert für uns und unsere Kunden bringen könnte. Immer wieder wurde mir der Name Thomas Haag von Schloss Lieser genannt. Gleich neben Theo Haart standen er und seine Frau und baten zur Probe. War die Haupteigenschaft eines Moselrieslings seit Jahrzehnten in all seinem Süße- und Säure Spiel die Weingaumen weltweit mit Leichtigkeit und Präzision zu betören, eben diese Spiel zwischen diesen Komponenten in Perfektion zu gestalten, so war ich überrascht, wie viele Winzer sich nun auf das Bankett der trocken ausgebauten Weine  begeben.

Thomas Haag gehört zu jenen, die in beiden Kategorien auf höchstem Niveau mitspielen.

Seine Weine  sind anders. Ganz eigen. Man darf sich beim Verkosten dieser Gewächse nicht von der anfänglichen Leichtigkeit blenden lassen. All seine  Weine kommen dem Verkoster mit eine tänzelnden Leichtfüßigkeit entgegen. Was mir da an großen Gewächsen eingeschenkt wurde ist ganz einfach Extra Klasse. Extra, weil unvergleichlich, Klasse, weil er im Feld der Top Fünf der Mosel angekommen ist. Kein Wein, ob trocken oder fruchtig kein Prädikat  hat von irgendetwas zu viel, oder zu wenig. Diese fast fliegende Leichtigkeit verbunden mit einer schier nicht enden wollenden fast knackigen Mineralität  lässt wunderbaren Trinkgenuß erwarten.

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Ich holte mir noch je ein Glas von der Riesling Auslese – Versteigerung 2015 von Johannes Haart und ein Glas von der Riesling Auslese Altenberg vom Weingut Othegraven an der Saar.

Ich setze mich auf die im Foyer bereitgestellten Sessel und versuchte  in Ruhe diese zwei Weine in allen Facetten zu genießen und diese intensive Probe auf mich wirken zu lassen. Niemand auf der Welt kann dieses Spiel zwischen Restzucker und Säure in dieser Perfektion so wie  die Top Winzer  seit Generationen in einem der nördlichsten Anbaugebiete Europas.

 

Kompliment und Danke für diese vielen Genußerlebnisse.

 

Daneben stand der Bruder von Thomas Haag, Oliver. Er hat die Leitung dieses weltbekannten Weingutes vor wenigen Jahren übernommen. Ich ging zu Grans – Fassian  der in Leiwen seinen Betrieb hat und ich ging noch zum  Star der Mosel J. J. Prüm. Natürlich ist bei  solch klingenden Namen die Erwartungshaltung groß. Um es kurz zu machen: die Weinlandschaft der Mosel ist in einer  Phase starker Veränderungen. Die absolute Spitze ist Vergangenheit. Vieles was es zu kosten gibt ist gut, oft leider nur Mittelmaß. Im 2015er ist dies nicht  anders wie in  früheren Jahren. Die wenigen Großen Weine die ich verkostete sind natürlich Gewächse mit denen man sich auseinandersetzen muss. Um die Handschrift junger Winzerpersönlichkeiten zu lesen und zu verstehen, braucht es Geduld und  oft auch etwas Muse.

An die Mosel reihte sich der Rheingau. Ich besuchte einen Freund. Peter Jakob Kühn stand alleine hinter dem Verkostungstisch. Normalerweise ist seine Frau Angela nie in weiter Ferne, die Berlinreise machte dieser feinfühlige Winzer aber  allein. Hatte er doch nur zwei Weine im Gepäck. Die Rieslinge vom Doosberg und vom Nikolaus.  Nicht 2015, er zeigt jetzt erst die Ernte 2014. Und was er zeigt ist einzigartig. Bei allen Winzern die hier Ihre Gewächse zeigen, gibt es nichts Vergleichbares. Ich erinnere mich an den Doosberg aus dem Jahrgang 2004, damals schon einzigartig, von der Fachpresse und auch von den VDP Juroren wurde dieser Wein zur damaligen Zeit nicht akzeptiert, ja er wurde wirklich stark kritisiert.

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Dass nun jene Weine von beiden großen Lagen der Fam. Kühn, die ihren Charakter und ihre Strahlkraft von den legendären Weinen aus den Jahren 2004 bis 2007 noch einmal viel tiefer und intensiver mit auf den Weg bekommen haben, nun von der Fachwelt und auch von den Winzerkollegen Akzeptanz finden, zeigt auch dass die Weinwelt in Deutschland für Veränderungen bereit ist und dass endlich jenen Menschen, die ganz nahe am überhaupt Möglichen agieren und das Machbare mit dem Unmöglichen in Einklang bringen, in der Mitte des Geschehens stehen. Beide Weine von Peter Kühn sind Einzelstücke. Ich kann diese Weine mit keinen anderen die ich je verkostet hatte vergleichen. Auch die Fruchtkomponenten sind  kaum zu definieren. Mir kommt vor ich genieße die Musik eines Orchesters, wo der Dirigent es bestens versteht alles in unglaublicher Harmonie als Erstaufführung dem Genießer zu präsentieren und in seinen Bann zu ziehen.

Nur wirkliche Weinfreunde mit einem breiten Horizont, die bereit sind das von einem philosophischen Winzer geleitete Spiel zwischen   Boden und Reben, sowie Charakter und Seele des Menschen der dahinter steht, zu akzeptieren, wird mit jedem Unikat große Freude haben. Die Weinwelt wäre ohne die Familie Kühn um einiges ärmer.

Die Nahe, dieses kleine wunderschöne Weinbaugebiet in diesem Seitental des Rheins, steht schon jahrelang für garantierte Qualität.
Vom selbstbewussten Altmeister Helmuth Dönnhoff erwartet man sich sowieso jedes Jahr Top Qualitäten, die er mit dem Riesling aus der Hermannshöhle und heuer auch mit dem GG von der kleinen Parzelle an der Brücke, die bis jetzt mit fruchtsüßen Weinen glänzte, zu liefern vermochte.  Wenn man diskutieren möchte, dann bitte über den Felsenberg und dem Dellchen. Natürlich spielt auch Emmrich Schönleber sowei Armin Diel in der obersten Liga.

Wenn Peter Kühn der  futuristische Grenzgänger des Rheingaus ist, dann findet man diese Persönlichkeit an der Nahe wenn überhaupt, mit Tim Fröhlich. Seine Weine sind einfach anders. In der Nase immer dunkel, wenig expressiv und vielleicht mag sie manch ein Verkoster auch abweisend finden. Was aber im Mund daher kommt ist kurz gesagt einzigartig.  Druck, Tiefe, Finesse und Eleganz, ganz egal in welcher Lage die Trauben gelesen wurden. Vielleicht tanzt das GG aus dem Felsenberg ein wenig aus der Reihe. Diesen Wein hatte ich überraschend offen und zugänglich verkostet.

 

Auch die Pfalz hatte so wie der Rheingau und auch Rheinhessen mit dem Jahrgang gar einiges auszufechten. Ich beschränkte meine Besuche natürlich bei jenen Winzern, die ich schon jahrelang verkoste und gerne kaufe. Das Weingut Dr. Bürklin – Wolf war mit keinem einzigen GG vom Jahrgang 2015 vertreten. Wie man uns sagte, hat sich mit 2015 in den tiefen Kellern des historischen Weingutes alles verzögert, die Gärung vollzogen die GG im Schneckentempo. Die Rieslingwelt ist schon gespannt was da wohl im Herbst auf die Flasche kommen wird. Man spricht von richtig Großem.  Wir kosteten aber wunderbare gereifte Weine bis zurück zum Jahre 1999.

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Daneben stand Reichsrat von Buhl, der mit einem grandiosen Riesling aus dem Jesuitengarten und mit einem nicht weniger spannendem Wein aus dem Pechstein beeindruckte. Die Pfalz wäre ohne die Lagen in und um das Dorf Forst um ein vielfaches ärmer.
Ich ging zu Steffen Christmann. Er zeigte zwei Weine, (Meerspinne und Idig) die ich mit großer Freude und unter Anstrengung aller Sinne mit größtem Genuss verkostete – trank. Weine die sich der Spuckbewegung einfach widersetzten.

Mein Weg führte mich noch zum Weingut Von Winning – Dr. Deinhard. Dahinter steht ein Mann, der an Charisma und Lebendigkeit kaum zu übertreffen ist. Wir konnten alle GGs  probieren, vom Grainhübel über den Kieselberg, vom Kirchenstück bis zum Pechstein. Von vielen Weinfreunden wird dieses Weingut und sein neuer Stil mit Lorbeeren überschüttet, ich tat mich einfach schwer mit diesen Rieslingen, die alle stark in diese tiefe Cremigkeit tendierten und wo ich bei allen Weinen eine Holznote im Vordergrund fand, einfach schwer.

Ökonomierat Rebholz ist immer einen Halt wert. Ein weiterer Name, der der Pfalz zu Bekanntheit verholfen hat. Weine von Rebholz sind einfach anders. Vielleicht etwas wenig typisch, etwas weniger vom Körper und von der Struktur, wegen der man gerade in die Pfalz fährt. Dafür etwas knackiger, etwas weniger gefällig, eben Weine für Menschen die diesen Stil suchen und mögen.

Ich war noch in der Abteilung Franken, wo mir Sandra Knoll wirklich einzigartige Silvaner aus dem Jahrgang 2015 zeigte. Ich ging noch in die Region Baden. Es zieht mich immer wieder zu den Burgundern. Noch nie hatte ich Freundschaft geschlossen mit den deutschen Rotweinen. Ich schaffte es auch diesmal nicht, obwohl ich vom Weingut Huber drei wirklich gute Spätburgunder eingeschenkt bekam.

Fast hätte ich noch ein wirkliches Highlight dieser Veranstaltung vergessen. Das Weingut Wittmann aus Rheinhessen. Ein bestens gelaunter Philipp Wittmann schenkte ein. Ein großes Gewächs besser als das Andere. Kirchspiel und Morstein übertreffen alles. Morstein ist einfach ein Gigant auf seidigen Pantoffeln. Ich weiß dieses Privileg, Wittmann kaufen zu dürfen immer mehr zu schätzen. Kompliment an einen Winzer der zeigt, dass man in einem Jahr wie 2014 ganz oben spielen kann und dass in einem großen Jahr wie 2015 er fast an der Einzigartigkeit kratzt.

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Sommersonnwende auf Manincor.

Das Weingut Manincor in Kaltern feieret dieses Jahr den 20igsten Geburtstag. Dass man bei der Einladung der Gäste für dieses Fest auch an mich gedacht hatte, kam überraschend,  ich habe mich darüber gefreut.

Für dieses Fest, das im Hochsommer organisiert wurde nahm ich mir auch gerne einen Nachmittag  Zeit, verbindet mich doch mit diesem Weingut, aber auch mit dessen Direktor Hr. Helmut Zozin eine lange persönliche Bekanntschaft, die von Wertschätzung geprägt ist.

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Geladen wurde auf Castel Campan, einem wunderbaren historischen Ansitz oberhalb von Kaltern, den ich nur vom Namen her kannte, gibt doch dieses Schloss dem Paradewein dieses Betriebes seinen Namen.

Viele illustre und bekannte Persönlichkeiten der Weinwelt  trafen sich dort zu einer einzigartigen Probe. Natürlich war der Start so wie gerne bei solchen treffen sehr formal und an  den Gesprächen der Teilnehmer merkte man dies, mit meist oberflächlichen Themen.

Als Graf Michael von Enzenberg und seine Frau Sophie dann alle Teilnehmer begrüßt hatten und die Probe eröffneten, kam  Gott sei dank etwas „Sauerstoff“ und etwas Lockerheit in den historischen Keller.

Die Probe führte uns dann im wahrsten Sinne des Wortes in eine Reise der letzten 20 Jahre.  Das Wachsen und das Reifen  einer außergewöhnlichen Arbeit  auf Manincor wurde zutiefst verständlich. Zudem war diese Probe eine  wunderbare Demonstration  der sich stark verändernden Weinkultur im Südtiroler Unterland.

20 Weine wurden uns gezeigt. Es gab 5 „Minivertikale“ mit je  4 Proben.  Ich verkoste wirklich jedes Jahr einiges an Weinen aus ganz Europa, trotzdem saß ich mit einer  Erwartungshaltung am  Probetisch, die von Spannung und Vorfreude geprägt war. Hunderte von Zalto – Denkart Gläsern, ein Probetisch aus massiven Fassdauben gefertigt und ein Gastgeberehepaar in Hochform gaben dieser Verkostung einen einzigartigen Rahmen.

 

Diese nun startende Zeitreise moderierte der Besitzer gemeinsam mit dem Direktor Hr. Zozin, alle Informationen die man uns gab, waren hilfreich und spannend. Es war nie langweilig, fehlte doch in den Ausführungen des Grafen nicht selten ein auflockernder Kommentar seiner Frau Sophie, die es perfekt versteht mit Charme und Charisma Ihren Mann zu unterstützen.

Ich werde nun nicht auf alle 20 Weine einzeln eingehen. Trotzdem möchte ich Ihnen, lieber Leser dieser Zeilen einiges was mich wirklich überrascht hat berichten.

 

Dies fing schon bei der ersten Vertikale vom Cuvée Sophie an. Man reichte uns die Jahrgänge 2012, 2010, 2001 und 1999. Alle Weine noch frisch und spannend. Der Wein der mich aber am meisten überraschte, war jener aus dem Jahre 2012. Ein Weißwein, der wunderbar aufzeigt, was in perfekten Jahrgängen  mit Chardonnay in Südtirol möglich ist. Schon die Nase reizte den Gaumen zur Bildung von Speichel und die Vorfreude auf den ersten Schluck wurde schon beim Duft, der wenig in die Exotik aber dafür mehr in die kräutrig- salzige Richtung ging, stark geweckt. Im Gaumen druckvoll, in keiner Weise  breit, mit einem Abgang der Mineralitäimg_2759_webt und angenehme Frische  hinterließ.

Als zweiter Weisswein wurden uns 4 Jahrgänge von Liebeneich gereicht. Ein Sauvignon, der auf  Rebstöcken die sich in und um Terlan befinden geerntet wird. Man schenkte eine Probe der Jahrgänge 2010, 2004, 2001, und 2000.

Wieder überraschte die Frische aller 4 Weine. Sogar der Liebeneich aus  dem Jahrgang 2000, wir erinnern uns an einen sehr heißen und trockenen Sommer, zeigte noch Frische, Exotik und Spannung. Natürlich spürte man auch den Alkohol, der im Gaumen etwas die Saftigkeit überdeckte und die Trinkfreude leicht abstumpfen lies.

Alle 4 Sauvignons aber zeigten Kraft und viel Druck, der 2010 war noch jugendlich und er versuchte noch alle Komponenten die wir so gerne in Harmonie genießen, zu vereinen. Vielleicht noch etwas ungestüm,  etwas ruppig die Note am Gaumen, in keinem Fall ein schreiender Sauvignon, aber wie die Probe zeigt, mit den Jahren der Flaschenreife ein in Südtirol in dieser Stilistik nicht zu findender Wein.

 

Nun kamen wir zum ersten Rotwein. Mason die Mason von der Ernte 2013, 2012, 2005, und 2002. Wir alle wissen, welch schwieriges Unterfangen es ist, Blauburgunder auf  hohem Niveau in die Flasche zu bringen. Um es vorweg zu nehmen, Mason die Mason 2012, aber auch 2013, zeigen  mit Finesse und Feinheit, was diese Rebe auch in Südtirol imstande ist, zu geben.

Steht dahinter eine Persönlichkeit, die getrieben wird von präzisem Arbeiten und geleitet vom Gefühl die Harmonie vom Boden bis zur Füllung in die Flasche mit Tiefgründigkeit und oft unter größtem Risiko zu begleiten, dann können wir Weinfreude in seltenen Jahrgängen uns über rote  Burgunder  freuen, die das Potential das in Südtirol nur in ganz wenigen kleinen Lagen schlummert, wunderbar zeigen.

Dieser Flight zeigte auch welche Entwicklung dieses Weingut die letzten 20 Jahre genommen hat. Der Eindruck, dass auch die Hinwendung der Besitzerfamilie zur ökologischen   Landwirtschaft in diesen Weinen Schritt für Schritt, so wie die Reben das Ende der Steuerung von chemischen Substanzen nicht mehr erdulden mussten  und die Vereinnahmung der  konventionellen Bewirtschaftung ein Ende nahm,  sich auch die Resultate, die auf die Flasche kamen, stark veränderten.  Nicht dass die gereiften  Blauburgunder  weniger Freude bereiteten, aber ich hatte einfach den Eindruck, mit den Jahrgängen 2012 und 2013, mehr Leben im Glas zu verspüren.

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Die Zeit war fortgeschritten, ein Restaurant in Kaltern sollte pünktlich besucht werden.

Nun kamen 4 Jahrgänge vom Cassiano. 2011, 2009, 2004 und 1997.

Dieser Wein, der das Ergebnis eines Zusammengebens verschiedner Reben die Ihren Ursprung  nicht in Südtirol  haben ist, zeigte sich sehr freudig und munter.

Man merkte aber, dass diese Reben Ihre Heimat in Kaltern erst noch finden müssen. Die Gewöhnungsphase ist sicherlich vorüber, trotzdem kam in mir der Gedanke auf, dass in diesen Proben noch die Lockerheit, das Lachen und das Glücksgefühl nicht zu finden waren.  2004er, ein kühles Jahr, trank ich mit Freude und ich hätte mir gerne noch einen Schluck nachschenken lassen.

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Alle warteten mit Spannung auf den Paradewein, den Castel Campan. Meistens besteht diese Cuvèe aus ungef.  90 % Merlot und 10 % Cabernet Franc.

Man reichte uns den Jahrgang 2011,2009,2003 und 1999.

Erst kürzlich hatte ich noch bei mir mit Gästen einen 2009er aus der Magnum richtig gut verkostet. Von allen 20 Weinen, dieser Probe war wohl der 2009er Castel Campan der Wein des Abends. Er zeigte was in Südtirol wirklich möglich ist. Wenn auch der 2011er etwas fülliger und sich mit mehr Tiefe und Druck im Gaumen zeigte, der 2009er war in seiner Komplexität und in seiner einzigartigen Eleganz, die geprägt war von einer dunklen intensiven Frucht, die weit in die Tiefe des Gaumens ihre Spuren hinterließ,  nicht zu übertreffen. Ein einzigartiges Weinerlebnis.

Ich bin dankbar, dass man mich zu dieser Probe geladen hatte. Für mich eine tolle Erfahrung mit Weinen aus meiner Heimat, die in der Hektik vieler großer internationaler Proben die einem beruflich wie auch aus persönlicher Leidenschaft das ganze Jahr über begleiten, oft etwas zu wenig Zeit gewidmet bekommen. Südtirol ist spannend, die Kurve einiger weniger von Qualität besessener Winzer steigt stark nach oben. Ich bin schon gespannt, was wir die nächsten Jahre noch zur Probe bekommen werden.

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Domaine Jacques Carillon Puligny – Montrachet

Jacques Carillon ist ein vielbeschäftigter Mann. Es war  gar nicht einfach einen Besuchstermin  zu bekommen. Dank unserer Hartnäckigkeit, klappte es dann doch.

Pünktlichst waren wir dann an einem herrlichen Herbsttag vor dem Kellertor der Domain, die im Herzen des wunderschönen Weindorfs Puligny liegt. Jacques begrüße uns herzlich und nahm sich auch genügend Zeit das Weingut aber vor allem seine Weine vorzustellen.

Dieses historische Gut, seine erste Erwähnung geht auf das Jahr 1520 zurück, bewirtschaftet 5,5 ha in besten Lagen, die sich zu einem Großteil in der Gemeinde Puligny – Montrachet befinden. Nur ein kleiner Teil liegt in Chassagne, wenige Zeilen werden in Saint Aubin und in Mercurey bearbeitet.

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Hr. Carillon gründete seine kleine Domaine, die jährlich um die 20.000 Flaschen füllt,  erst im Jahre 2010. Die damals von seinem Vater Louis Carillon  zu Weltrum gebrachte Domain wurde nach dessen Ableben unter den Brüdern Jacques und Francois aufgeteilt.

Jacques ordnet sein Arbeiten der biologischen Landwirtschaft ohne Zertifizierung unter.  Er verzichtet auf jegliche Art von Herbiziden. Die Moste  werden spontan vergoren, auf technische Eingriffe wie Säurekorrektur und vieles mehr was die moderne Kellertechnik anbieten würde, wird bewusst verzichtet. Dass alle Trauben von Hand gelesen werden, gilt als selbstverständlich.

 

Ziel ist es, die Böden seiner Weinlagen, die reich an Verwitterungsschutt und Kalkstein sind, fast wie den Abdruck eines Stempels   auf die Flasche zu bringen. Darum legt der Winzer größten Wert auf vitale Reben, ein genaues Beobachten der Weinberge vom Rebschnitt bis zum Lesezeitpunkt, den er penibel genau wählt, sowie eine akribische Traubenselektion.

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Die Weine der Domaine Jacques Carillon strotzen vor Saftigkeit und Typizität. Tänzelnd beginnt der Spaziergang seiner Gewächse über die Zunge, nachdem schon der erste Kontakt des Weines mit der Nase für zarten Speichelfluß sorgt. Alle Weine haben eines gemeinsam; einen tiefen, nie oppulenten, sehr angenehmen und von feinster Mineralik geprägten Abgang. Bei keinem der Weine zeigte sich zu viel Speck auf den Hüften. War sein einfachster Wein, ein Puligny – Montrachet der graziöse Ballettänzer, dann zeigte sich sein 1er Cru Les Perrières

als die Gande Dame mit viel Charme aber trotzdem sportlich und ausdauernd. Der andere 1er Cru Les Champs Canet strahlte durch Kraft und innere Ruhe. Fast wie auf Schienen läuft dieser Wein über die Zunge. Zart am Anfang, eine  von Saftigkeit und Fülle geprägte Mitte sowie komplex und vibrierend im Abgang, aber trotzdem und vielschichtig und fordernd

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Die Weine dieses schweigsamen aber sehr höflichen Winzers sind nicht für morgen oder übermorgen gemacht. Dies sind Gewächse, die uns wohl für Jahrzehnte mit immer neuen und anderen Gesichtern und Eigenschaften überraschen werden. Eben Weine mit Stil und Charakter.

 

 

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Miani

Enzo Pontoni, der Besitzer vom Weingut Miani in Buttrio, ganz in der Nähe von Udine, macht den Eindruck eines wirklich urigen, von harter Arbeit geprägten Mannes. Seine Haut ist von Sonne und Wind dunkel gegerbt, seine Hände zeigen was harte Winzerarbeit wirklich ist. Sie gleichen einer alten, von Wind und Wetter zerfressenen Rebe.

Wir kamen an, seine Mutter Edda Miani (80 Jahr alt) begrüßte uns herzlich, ein kurzes Gespräch ließ die Zeit bis zum Eintreffen des Winzers wie im Fluge vergehen. Enzo fuhr nun mit seinem Fiat Punto vor, ein Auto, genauso wie der Winzer: Von den vielen Querfeldeinfahrten in den Weinbergen gezeichnet, von den Sitzen ist nicht mehr viel geblieben, ein paar Drähte schauen von der arg zugerichteten Polsterung hervor, der Auspuff streift über Stock und Stein, aber es fährt.

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Dieser erste Eindruck zeigt, wie in diesem Weingut, das ich bereits vor 30 Jahren, damals mit meiner Frau besuchte, die Uhren ticken. Alles wird der Arbeit im Weinberg, ob am Boden oder an den Reben, untergeordnet.

Spartanisch und funktionell ist der Keller. Trotz der 22 ha Weinberge, die Enzo bewirtschaftet, ist alles sehr klein und überschaubar. Seine Lagen befinden sich ausschließlich im Gebiet der „Colli Orientali del Friuli“, die Böden sind alle stark von Ton und Mergel geprägt. Dies hat zur Folge, dass vor allem die jungen Anlagen jährlich mit Rindermist und Humus gedüngt werden müssen, um dem geologisch sehr jungen Gebiet (80.000 Jahre alt) jene Ausgewogenheit zu geben, die die Rebe für hervorragende Qualitäten braucht.

Er legt großen Wert auf geringe, aber trotzdem ausgewogene Erträge. Bei den Rotweinen sind je Stock 3 lockerbeerige Trauben der Idealfall, bei den Weißweinen eine Kleinigkeit mehr. Ausgedünnt wird sehr spät, auf Behandlungen mit Kupfer und Schwefel wird ab den Monaten, wo die Trauben färben, verzichtet. Enzo ist zutiefst überzeugt, dass auf den Schalen haftende Reste von diesen beiden Substanzen, die mit dem Lesegut in den Keller gebracht werden könnten, dem Charakter der Weine großen Schaden zufügen könnten. Für mich wieder eine neue These, die ich so noch von keinem Winzer gehört hatte.

Als er erzählte, dass der nun kurz vor der Ernte stehende Jahrgang 2015 mit guten Mengen aufwarten könne, die Qualitäten, die er erwarte gut seien, aber nicht mehr, dachte ich an einen Ertrag von vielleicht 50 bis 60 tausend Flaschen. Weit gefehlt, wenn alles ganz gut geht, dann werden heuer nach längerer Zeit wieder etwas mehr als 20.000 Flaschen gefüllt werden.

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Wir fuhren in die Lagen. Il Corno di Rosazzo, ein Steilhang, wo die Reben auf Terrassen stehen: Welch ein Ausblick! Die Höhe von fast 300 M. ü.d.M. erlaubt einen 380° Blick über den ganzen Collio und die Colli Orientali. Die Nähe der Staatsgrenze zu Slowenien zeigt, dass eigentlich ein Großteil der Weinberge des berühmten Collio in Slowenien liegt.

Filip, ein mit sehr alten Merlot Reben sowie mit ganz alten Tocai Stöcken bepflanzter kleinerer Weinberg, zeigt noch die Mischkultur in dieser Gegend, als man in den Weinbergen auch noch Obst, Sträucher und Gemüse pflanzte. Wir kosteten die Trauben, die der Winzer in ca. 3 Wochen holen möchte. Welch eine Süße, man merkte schon an den frischen Trauben die Vielschichtigkeit und die Noblesse dieses Obstes.

Nun zur Probe.

Im Keller hat Enzo ein kleines „Verließ“, wo die privaten Reserven und jene Flaschen liegen, die eben bei Proben mit Freunden geöffnet werden. Da in diesem Weingut nie Zeit für Besucher ist, war es für uns ein Privileg, einen Abend mit diesem bescheidenen und sehr ausdruckstarken Mann zu verbringen. Einige dieser Raritäten nahm er nun mit hoch in seine Garage, wo wir auf gestapelten Holzbrettern einen Tisch zusammenbauten und uns zur Probe, begleitet von einer zünftigen Jause, hinsetzten.

Los ging’s mit dem Sauvignon Saurint 2003 aus der Magnum. Ein wuchtiger Start, der Wein zeigte die Hitze dieses Sommers aber auch den damals noch stärkeren Einsatz neuer Hölzer. Ein guter Wein, überhaupt nicht müde, im Gegenteil, kräftig und dominant, aber nicht holprig.

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Jetzt wurde die Ribolla 2006 geöffnet. Wieder eine Magnum. Nun zeigten sich die Perfektion und die ganze Erfahrung eines qualitätsbesessenen Winzers. Welch ein Wein! Schillernde Klarheit, ja fast brillant und graziös zeigte sich dieser Wein. Mit dieser Rebe, die nicht das Lieblingskind des Herrn Pontoni ist, begann unsere Reise in eine ganz spezielle, in dieser Art noch selten erlebte Welt besonderer Weine.

Nun entkorkte Herr Pontoni eine Ribolla aus dem Jahre 1993. Natürlich hatte dieser über 20 Jahre alte Wein gar einige ergraute Haare, je länger er im Glas war, umso interessanter und komplexer wurde er im Duft und im Trunk. Während die anderen über diesen Wein in eine lange Diskussion gerieten, trank ich mit Freude mein Glas aus. Es wird mir als eine besondere Rarität in Erinnerung bleiben.

Jetzt wurden drei Weine aus dem für dieses Weingut sehr guten Jahrgang 2009 geöffnet. Alles Magnum: Sauvignon Saurint, Sauvignon Banel und Chardonnay Baracca.

Nun wurde es richtig verständlich, warum die Weine dieses Weingutes so oft als Maßstab für alle anderen Weißweine in Italien hergenommen werden.

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Ein großer Jahrgang zeigt, was in dieser Gegend wirklich möglich ist: Weine, die man gar nicht so einfach beschreiben kann, Genuss und Trinkfreude in schierer Perfektion vereint.

Zwei Rotweine wurden uns noch gezeigt. Zum einen ein Rosso Miani aus dem Jahre 2007 und ein vor kurzem gefüllter Merlot aus der Lage Filip, Jahrgang 2012.

Ich freue mich richtig, den Merlot im November kaufen zu dürfen. Er wird in meinem Keller in jenes Fach kommen, wo die Weine liegen, mit deren Winzern mich ein besonderes Verhältnis verbindet.

Leider ist der Rosso Miani 2007 bei uns schon ausgetrunken worden, bei der Probe merkte ich, dass dieser kleinste Wein des Weingutes leider viel zu früh angeboten wurde.

Vielen Dank einem tollen Winzer für die gewidmete Zeit!

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Verkostungen

Eine einzigartige Vertikale!

Barolo Bric del Fiasc 1978 bis 2008 – Azienda Vitivinicola Paolo Scavino in Castiglione Falleto

 

Ich freute mich riesig und bin der Familie Scavino zutiefst dankbar, dass man mich zu dieser einzigartigen Vertikalverkostung in den wunderschönen Kellern des Weingutes eingeladen hat.

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Am 20 März war es soweit!

 

Nach den Grußworten des Seniorchefs, Signor Enrico Scavino, der kurz die Geschichte seines Betriebes vom schwierigem Anfang bis in die heutige Zeit erzählte, wurden wir zum Aperitif im Vorgarten des Gutes geladen.

Gegen 12.30 Uhr führte man uns an die wunderschön gedeckten Tische, die in den Kellern des Gutes vom Restaurant „La Ciau del Tornavento“ aus Treiso perfekt vorbereitet worden waren. Alles war wunderbar gedeckt, jeder fand auf seinem Platz sein Namensschild, neben jedem Gedeck standen 3 Burgundergläser aus dem Hause „Zalto“. Allein dies machte einen gediegenen Eindruck und gab dem Ganzen einen ganz besonderen Rahmen.

Wir wurden von hochdotierten Köchen aus der Gegend mit einem hochwertigen Menü verwöhnt. Eine Hommage an dieses einzigartige Gebiet der „Langa“ mit den weltbekannten Orten Barolo und Barbaresco als Weinzentren. Wie stolz und doch bescheiden sind die Menschen dieser Gegend!

Nun zu den Weinen!

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Serviert wurden mit dem ersten Flight der Barolo Bric del Fiasc 2008, jener aus 2004 und als letzter der Jahrgang 2001. 2008 wurde dann auch immer nachgeschenkt und war eigentlich der Wein zum ganzen Menü. Ein schöner Barolo, perfekt zum Menü passend, einladend und schön trinkfreudig. Danach kamen immer 2 Barolos aus dem vorigen Jahrhundert in die Gläser.

Es war eine kurvenreiche Probe.

Was könnte besser als diese Weine den klimatischen Verlauf einer so langen Periode zeigen, wer könnte besser die Entwicklung einer großen Winzerpersönlichkeit im Laufe der Jahre ins Glas bringen?

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Weine Stimmungen großer Winzerpersönlichkeiten über Jahre zeigen können.

Alle Flights waren spannend und vor allem fordernd. Aufgefallen sind mir aber ganz besonders die Barolos aus den Jahren 1997, 1996, 1989 und 1985. Um nicht zu lang zu werden, möchte ich mich auf diese vier Gewächse beschränken.

Im Jahr 1985 fing ich an bei Scavino zu kaufen. Ich erinnere mich noch genau an diese Probe vor 30 Jahren mit Enrico Scavino, auch seine Frau war damals zugegen. Heute, bei dieser feierlichen Probe, war die Signora nicht anwesend, eine Krankheit hat dies leider verhindert. Dieser Wein zog mich bereits vor 30 Jahren in seinen Bann. Nun, nach so vielen Jahren durfte ich diesen Wein wieder verkosten. Welche Freude!

Ein paar graue Haare zeigt dieser ältere Herr in den schönen Burgundergläsern von Zalto. Sonst finde ich ihn strahlend, charismatisch und getragen von einer graziösen Eleganz.

1989 strotzte nur so von einer an dunkle Beeren und an bittere Schokolade erinnernden Fruchtigkeit.

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Saftig im Gaumen, getragen von einer schönen Leichtigkeit fliegt dieser Wein mit einer schier nicht mehr enden wollenden Länge tief in den Gaumen, wo sich diese im Ansatz intensiven Fruchtnoten wunderbar wiederholen.

1996 zeigte einen Jahrgang, der zwar als gut, aber von vielen Winzern als sehr fordernd und komplex beschrieben wird. Die Nase verhalten, nur ganz in der Tiefe, fast schon im Dunkeln konnte man eine kräftige Frucht entdecken. Für eine lange und anstrengende Suche wurde der Weinliebhaber aber dann mit intensiven Aromen nach Tabak und Leder belohnt. Erinnerungen an das Einkochen von Waldfrüchten kamen auf: Im Gaumen viel Druck, leicht bitter, im Abgang etwas bremsend. Werden diese Tannine jemals weich und schmeichelnd?

1997 war wohl der Hauptdarsteller dieses Tages. Welch ein Wein! Schon die Nase betörte den Verkoster. Alles was Nebbiolo geben kann, kam hier reichlich aus dem Glas. Ich bin mir nicht sicher, ob immer ein Vergleich an die so geliebte burgundische Nase herhalten muss. War hier nicht noch mehr zu entdecken als in einem Pinot Noir bester Güte? Im Gaumen Erinnerungen an die Jugend, saftig, elegant und eine wunderschöne komplexe Frucht, die einen nach mehr und noch mehr suchen lässt. Man wurde immer wieder fündig. Im Finale dann, ganz in der Tiefe des Gaumens zeigte dieser Wein, so wie seine Farbe ein paar graue Haare, die ihm aber so gut standen, dass man sich immer wieder gerne damit auseinandersetzte.

 

Kompliment und Dank an eine ganz besondere und einzigartige Winzerfamilie!

 

 

 

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Verkostungen, Weinreisen

Burgund, Spannung pur

Anlässlich einer von meinen Geschäftspartnern organisierten Probe im Restaurant eines Freundes in Rom, hatte ich die Gelegenheit, über 20 Gewächse in Weiß und in Rot aus den Jahre 2010, 2011 und 2012 in Ruhe zu probieren. Alles Burgunder. Wir waren ca. 30 leidenschaftliche Weinfreunde, die Probe war perfekt vorbereitet, unserem Gastgeber Giulio, ein junger Sommelier mit viel Leidenschaft, vielen Dank.

Gezeigt wurden Weine von 4 Winzern.

Domaine Jacob Lucien aus Echevronne, Domaine Hermann Geoffroy aus Gevrey Chambertin, Domaine Humberts & Freres aus Gevrey Chambertin und jene von der Domaine Antoine Jobard aus Mersault.

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Wir entschieden uns, Winzer für Winzer einzuschenken, dies hatte zur Folge, dass öfters Weiß auf Rot folgte. Bewusst nahmen wir die Mersaults von der Domaine A. Jobard als letzte in die Probe.

Um es vorweg zu nehmen, wir haben an diesem Nachmittag richtig gut getrunken. Wenn man im Wein überhaupt von groß und schierer Perfektion sprechen kann, was prinzipiell zu verneinen ist, dann war an diesem Nachmittag schon einiges dabei, was man mit außergewöhnlich gut definieren kann.

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Ich machte heute keine Notizen, traf es mich doch, diese Probe zu moderieren. Trotzdem, da ich nun im Zug von Rom nach Bozen sitze schreibe ich ein paar noch frische Erinnerungen nieder.

Schon die preiswerten Gewächse von der Domaine Jakob Lucien zeigten wie gut Chardonnay und Pinot Noir sein kann. Hr. Lucien gelingt es immer wieder, auch im unteren Preissegment verführerisch gute Weine auf die Flasche zu bringen, perfekte Einsteiger für Menschen die sich dieser spannenden aber sehr gefährlichen Gegend anzunähern versuchen.

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Die Domaine Hermann Geoffrey, die im Herzen des kleinen Dörfchens Gevrey gelegen ist, zeigt dann was rote Burgunder, deren Trauben auf alten Rebstöcken, die Jahrzehnte lang sich auf großen Böden einleben konnten, wirklich können. Gevrey Chambertin 2011 Vielles Vignes und die Lage Lavaux S. Jaques ebenfalls vom Jahrgang 2011, beides Weine, die trotz ihrer Jugend den Verkoster in eine unbeschwerte, fast beglückende Weinwelt verführen. Ein sanftes Lächeln, das allen Gästen und Kunden beim Probieren dieser Weine im Gesicht abzulesen war, war die beste Bestätigung der Qualitäten.

Es ging noch weiter. Nun schenkten wir den 12er Jahrgang von Emanuel Humbert, einem Nachbar und Freund von Hermann Geoffrey in unsere Zalto – Gläser.

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Bourgogne rouge, Gevrey Chambertin Vielles Vignes, Gevrey Chambertin 1er Cru Poissenot, Gevrey Chambertin 1er Cru Petit Chapelle und als Abschluß den Charmes Chambertin Grand Cru

War bei den Weinen von Geoffrey noch die dunkle tiefe Frucht im Vordergrund, so genossen wir nun eine Kombination von seidiger Eleganz, verbunden mit frisch gepflückten saftigen Früchten des Waldes. Die vibrierende Länge dieser Weine von Emanuel verbunden mit einer schier fliegenden Leichtigkeit, die sich in steter Trinkfreude zeigt, verhalf diesen Weinen fast zur Perfektion.

Wir wussten, dass alles was wir einschenkten viel zu jung ist, trotzdem zeigten diese Weine dass man nicht Jahre- oder Jahrzehntelang warten muss, um perfekten Weingenuß zu erleben.

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Nun kamen die Mersault der Ernte 2012, des jungen qualitätsbesessenen Winzers Antoine Jobard von der Domain F&A. Jobard an die Reihe. Bereits sein Bourgogne Blanc zeigte, dass nach solch großen Rotweinen, eine Rückkehr auf Weißweine kein Problem darstellt. Welch einen Wein hatten wir im Glas, was wird da noch folgen, hatten wir doch alle Lagen zur Probe vorbereitet.

Über die Qualität dieser Weine möchte ich keine großen Zeilen verlieren. Kurz um, wir tranken auch bei diesen Chardonnays auf höchstem Niveau. Was uns aber begeisterte, waren die perfekte Holzarbeit des Winzers, die uns erst richtig diese Einzigartigkeit der Böden in und um Mersault vor Augen führte. Wir erinnerten uns an einen Spaziergang nach einem Wärmegewitter an einem heißen Sommertag im August. Die Komplexität, die Vielschichtigkeit und die einzigartige Mineralität dieser Weißweine, zeigt, dass dieser junge Winzer nicht umsonst von berühmten Weinkritikern zu den besten Weißweinproduzenten Überhaupt gezählt wird.

 

 

 

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