Verkostungen

Sommersonnwende auf Manincor.

Das Weingut Manincor in Kaltern feieret dieses Jahr den 20igsten Geburtstag. Dass man bei der Einladung der Gäste für dieses Fest auch an mich gedacht hatte, kam überraschend,  ich habe mich darüber gefreut.

Für dieses Fest, das im Hochsommer organisiert wurde nahm ich mir auch gerne einen Nachmittag  Zeit, verbindet mich doch mit diesem Weingut, aber auch mit dessen Direktor Hr. Helmut Zozin eine lange persönliche Bekanntschaft, die von Wertschätzung geprägt ist.

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Geladen wurde auf Castel Campan, einem wunderbaren historischen Ansitz oberhalb von Kaltern, den ich nur vom Namen her kannte, gibt doch dieses Schloss dem Paradewein dieses Betriebes seinen Namen.

Viele illustre und bekannte Persönlichkeiten der Weinwelt  trafen sich dort zu einer einzigartigen Probe. Natürlich war der Start so wie gerne bei solchen treffen sehr formal und an  den Gesprächen der Teilnehmer merkte man dies, mit meist oberflächlichen Themen.

Als Graf Michael von Enzenberg und seine Frau Sophie dann alle Teilnehmer begrüßt hatten und die Probe eröffneten, kam  Gott sei dank etwas „Sauerstoff“ und etwas Lockerheit in den historischen Keller.

Die Probe führte uns dann im wahrsten Sinne des Wortes in eine Reise der letzten 20 Jahre.  Das Wachsen und das Reifen  einer außergewöhnlichen Arbeit  auf Manincor wurde zutiefst verständlich. Zudem war diese Probe eine  wunderbare Demonstration  der sich stark verändernden Weinkultur im Südtiroler Unterland.

20 Weine wurden uns gezeigt. Es gab 5 „Minivertikale“ mit je  4 Proben.  Ich verkoste wirklich jedes Jahr einiges an Weinen aus ganz Europa, trotzdem saß ich mit einer  Erwartungshaltung am  Probetisch, die von Spannung und Vorfreude geprägt war. Hunderte von Zalto – Denkart Gläsern, ein Probetisch aus massiven Fassdauben gefertigt und ein Gastgeberehepaar in Hochform gaben dieser Verkostung einen einzigartigen Rahmen.

 

Diese nun startende Zeitreise moderierte der Besitzer gemeinsam mit dem Direktor Hr. Zozin, alle Informationen die man uns gab, waren hilfreich und spannend. Es war nie langweilig, fehlte doch in den Ausführungen des Grafen nicht selten ein auflockernder Kommentar seiner Frau Sophie, die es perfekt versteht mit Charme und Charisma Ihren Mann zu unterstützen.

Ich werde nun nicht auf alle 20 Weine einzeln eingehen. Trotzdem möchte ich Ihnen, lieber Leser dieser Zeilen einiges was mich wirklich überrascht hat berichten.

 

Dies fing schon bei der ersten Vertikale vom Cuvée Sophie an. Man reichte uns die Jahrgänge 2012, 2010, 2001 und 1999. Alle Weine noch frisch und spannend. Der Wein der mich aber am meisten überraschte, war jener aus dem Jahre 2012. Ein Weißwein, der wunderbar aufzeigt, was in perfekten Jahrgängen  mit Chardonnay in Südtirol möglich ist. Schon die Nase reizte den Gaumen zur Bildung von Speichel und die Vorfreude auf den ersten Schluck wurde schon beim Duft, der wenig in die Exotik aber dafür mehr in die kräutrig- salzige Richtung ging, stark geweckt. Im Gaumen druckvoll, in keiner Weise  breit, mit einem Abgang der Mineralitäimg_2759_webt und angenehme Frische  hinterließ.

Als zweiter Weisswein wurden uns 4 Jahrgänge von Liebeneich gereicht. Ein Sauvignon, der auf  Rebstöcken die sich in und um Terlan befinden geerntet wird. Man schenkte eine Probe der Jahrgänge 2010, 2004, 2001, und 2000.

Wieder überraschte die Frische aller 4 Weine. Sogar der Liebeneich aus  dem Jahrgang 2000, wir erinnern uns an einen sehr heißen und trockenen Sommer, zeigte noch Frische, Exotik und Spannung. Natürlich spürte man auch den Alkohol, der im Gaumen etwas die Saftigkeit überdeckte und die Trinkfreude leicht abstumpfen lies.

Alle 4 Sauvignons aber zeigten Kraft und viel Druck, der 2010 war noch jugendlich und er versuchte noch alle Komponenten die wir so gerne in Harmonie genießen, zu vereinen. Vielleicht noch etwas ungestüm,  etwas ruppig die Note am Gaumen, in keinem Fall ein schreiender Sauvignon, aber wie die Probe zeigt, mit den Jahren der Flaschenreife ein in Südtirol in dieser Stilistik nicht zu findender Wein.

 

Nun kamen wir zum ersten Rotwein. Mason die Mason von der Ernte 2013, 2012, 2005, und 2002. Wir alle wissen, welch schwieriges Unterfangen es ist, Blauburgunder auf  hohem Niveau in die Flasche zu bringen. Um es vorweg zu nehmen, Mason die Mason 2012, aber auch 2013, zeigen  mit Finesse und Feinheit, was diese Rebe auch in Südtirol imstande ist, zu geben.

Steht dahinter eine Persönlichkeit, die getrieben wird von präzisem Arbeiten und geleitet vom Gefühl die Harmonie vom Boden bis zur Füllung in die Flasche mit Tiefgründigkeit und oft unter größtem Risiko zu begleiten, dann können wir Weinfreude in seltenen Jahrgängen uns über rote  Burgunder  freuen, die das Potential das in Südtirol nur in ganz wenigen kleinen Lagen schlummert, wunderbar zeigen.

Dieser Flight zeigte auch welche Entwicklung dieses Weingut die letzten 20 Jahre genommen hat. Der Eindruck, dass auch die Hinwendung der Besitzerfamilie zur ökologischen   Landwirtschaft in diesen Weinen Schritt für Schritt, so wie die Reben das Ende der Steuerung von chemischen Substanzen nicht mehr erdulden mussten  und die Vereinnahmung der  konventionellen Bewirtschaftung ein Ende nahm,  sich auch die Resultate, die auf die Flasche kamen, stark veränderten.  Nicht dass die gereiften  Blauburgunder  weniger Freude bereiteten, aber ich hatte einfach den Eindruck, mit den Jahrgängen 2012 und 2013, mehr Leben im Glas zu verspüren.

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Die Zeit war fortgeschritten, ein Restaurant in Kaltern sollte pünktlich besucht werden.

Nun kamen 4 Jahrgänge vom Cassiano. 2011, 2009, 2004 und 1997.

Dieser Wein, der das Ergebnis eines Zusammengebens verschiedner Reben die Ihren Ursprung  nicht in Südtirol  haben ist, zeigte sich sehr freudig und munter.

Man merkte aber, dass diese Reben Ihre Heimat in Kaltern erst noch finden müssen. Die Gewöhnungsphase ist sicherlich vorüber, trotzdem kam in mir der Gedanke auf, dass in diesen Proben noch die Lockerheit, das Lachen und das Glücksgefühl nicht zu finden waren.  2004er, ein kühles Jahr, trank ich mit Freude und ich hätte mir gerne noch einen Schluck nachschenken lassen.

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Alle warteten mit Spannung auf den Paradewein, den Castel Campan. Meistens besteht diese Cuvèe aus ungef.  90 % Merlot und 10 % Cabernet Franc.

Man reichte uns den Jahrgang 2011,2009,2003 und 1999.

Erst kürzlich hatte ich noch bei mir mit Gästen einen 2009er aus der Magnum richtig gut verkostet. Von allen 20 Weinen, dieser Probe war wohl der 2009er Castel Campan der Wein des Abends. Er zeigte was in Südtirol wirklich möglich ist. Wenn auch der 2011er etwas fülliger und sich mit mehr Tiefe und Druck im Gaumen zeigte, der 2009er war in seiner Komplexität und in seiner einzigartigen Eleganz, die geprägt war von einer dunklen intensiven Frucht, die weit in die Tiefe des Gaumens ihre Spuren hinterließ,  nicht zu übertreffen. Ein einzigartiges Weinerlebnis.

Ich bin dankbar, dass man mich zu dieser Probe geladen hatte. Für mich eine tolle Erfahrung mit Weinen aus meiner Heimat, die in der Hektik vieler großer internationaler Proben die einem beruflich wie auch aus persönlicher Leidenschaft das ganze Jahr über begleiten, oft etwas zu wenig Zeit gewidmet bekommen. Südtirol ist spannend, die Kurve einiger weniger von Qualität besessener Winzer steigt stark nach oben. Ich bin schon gespannt, was wir die nächsten Jahre noch zur Probe bekommen werden.

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Verkostungen, Weinreisen

Burgund, Spannung pur

Anlässlich einer von meinen Geschäftspartnern organisierten Probe im Restaurant eines Freundes in Rom, hatte ich die Gelegenheit, über 20 Gewächse in Weiß und in Rot aus den Jahre 2010, 2011 und 2012 in Ruhe zu probieren. Alles Burgunder. Wir waren ca. 30 leidenschaftliche Weinfreunde, die Probe war perfekt vorbereitet, unserem Gastgeber Giulio, ein junger Sommelier mit viel Leidenschaft, vielen Dank.

Gezeigt wurden Weine von 4 Winzern.

Domaine Jacob Lucien aus Echevronne, Domaine Hermann Geoffroy aus Gevrey Chambertin, Domaine Humberts & Freres aus Gevrey Chambertin und jene von der Domaine Antoine Jobard aus Mersault.

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Wir entschieden uns, Winzer für Winzer einzuschenken, dies hatte zur Folge, dass öfters Weiß auf Rot folgte. Bewusst nahmen wir die Mersaults von der Domaine A. Jobard als letzte in die Probe.

Um es vorweg zu nehmen, wir haben an diesem Nachmittag richtig gut getrunken. Wenn man im Wein überhaupt von groß und schierer Perfektion sprechen kann, was prinzipiell zu verneinen ist, dann war an diesem Nachmittag schon einiges dabei, was man mit außergewöhnlich gut definieren kann.

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Ich machte heute keine Notizen, traf es mich doch, diese Probe zu moderieren. Trotzdem, da ich nun im Zug von Rom nach Bozen sitze schreibe ich ein paar noch frische Erinnerungen nieder.

Schon die preiswerten Gewächse von der Domaine Jakob Lucien zeigten wie gut Chardonnay und Pinot Noir sein kann. Hr. Lucien gelingt es immer wieder, auch im unteren Preissegment verführerisch gute Weine auf die Flasche zu bringen, perfekte Einsteiger für Menschen die sich dieser spannenden aber sehr gefährlichen Gegend anzunähern versuchen.

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Die Domaine Hermann Geoffrey, die im Herzen des kleinen Dörfchens Gevrey gelegen ist, zeigt dann was rote Burgunder, deren Trauben auf alten Rebstöcken, die Jahrzehnte lang sich auf großen Böden einleben konnten, wirklich können. Gevrey Chambertin 2011 Vielles Vignes und die Lage Lavaux S. Jaques ebenfalls vom Jahrgang 2011, beides Weine, die trotz ihrer Jugend den Verkoster in eine unbeschwerte, fast beglückende Weinwelt verführen. Ein sanftes Lächeln, das allen Gästen und Kunden beim Probieren dieser Weine im Gesicht abzulesen war, war die beste Bestätigung der Qualitäten.

Es ging noch weiter. Nun schenkten wir den 12er Jahrgang von Emanuel Humbert, einem Nachbar und Freund von Hermann Geoffrey in unsere Zalto – Gläser.

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Bourgogne rouge, Gevrey Chambertin Vielles Vignes, Gevrey Chambertin 1er Cru Poissenot, Gevrey Chambertin 1er Cru Petit Chapelle und als Abschluß den Charmes Chambertin Grand Cru

War bei den Weinen von Geoffrey noch die dunkle tiefe Frucht im Vordergrund, so genossen wir nun eine Kombination von seidiger Eleganz, verbunden mit frisch gepflückten saftigen Früchten des Waldes. Die vibrierende Länge dieser Weine von Emanuel verbunden mit einer schier fliegenden Leichtigkeit, die sich in steter Trinkfreude zeigt, verhalf diesen Weinen fast zur Perfektion.

Wir wussten, dass alles was wir einschenkten viel zu jung ist, trotzdem zeigten diese Weine dass man nicht Jahre- oder Jahrzehntelang warten muss, um perfekten Weingenuß zu erleben.

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Nun kamen die Mersault der Ernte 2012, des jungen qualitätsbesessenen Winzers Antoine Jobard von der Domain F&A. Jobard an die Reihe. Bereits sein Bourgogne Blanc zeigte, dass nach solch großen Rotweinen, eine Rückkehr auf Weißweine kein Problem darstellt. Welch einen Wein hatten wir im Glas, was wird da noch folgen, hatten wir doch alle Lagen zur Probe vorbereitet.

Über die Qualität dieser Weine möchte ich keine großen Zeilen verlieren. Kurz um, wir tranken auch bei diesen Chardonnays auf höchstem Niveau. Was uns aber begeisterte, waren die perfekte Holzarbeit des Winzers, die uns erst richtig diese Einzigartigkeit der Böden in und um Mersault vor Augen führte. Wir erinnerten uns an einen Spaziergang nach einem Wärmegewitter an einem heißen Sommertag im August. Die Komplexität, die Vielschichtigkeit und die einzigartige Mineralität dieser Weißweine, zeigt, dass dieser junge Winzer nicht umsonst von berühmten Weinkritikern zu den besten Weißweinproduzenten Überhaupt gezählt wird.

 

 

 

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